Wie unterstütze ich jemanden, der erkrankt ist?

von Redaktion

München – Eine Krebsdiagnose ist ein Einschnitt. Ob als Schwester, Partner, Mutter, enger Freund: Angehörige wollen eine Stütze sein in Zeiten von Ungewissheit, Ängsten und Therapien, die teils starke Nebenwirkungen mit sich bringen. Ein hoher Anspruch, mit dem sich Angehörige oft einen „sozialen Leistungsdruck“ auferlegen, wie es die Psychoonkologin und Buchautorin Angela Grigelat aus München nennt: „Ihre große Sorge ist, etwas falsch zu machen, dazu kommt oft Hilflosigkeit.“

Die Expertin beobachtet, dass Angehörige sich in ihrem Perfektionismus immer wieder verkrampfen und über das Ziel hinausschießen. Worauf kommt es also an? Ein guter Anfang: Nachfragen und Zuhören Ob die Diagnose nun frisch auf dem Tisch liegt oder die Person bereits mitten in der Therapie steckt: „Es führt kein Weg daran vorbei, dass man fragt: Wo stehst du gerade, was brauchst du gerade?“, sagt Angela Grigelat. Diese Frage stellen Angehörige am besten nicht nur einmal, sondern im Verlauf der Krebserkrankung immer mal wieder. Denn: „Die Bedürfnisse und das Befinden von Krebspatientinnen und -patienten verändern sich.“

Einstellen muss man sich als Angehöriger auch darauf, dass die Antwort „Danke, du kannst gerade nichts für mich tun“ lauten kann. „Man darf nicht von vorneherein davon ausgehen, dass eine Person, die Krebs hat, automatisch hilfsbedürftig ist“, sagt Grigelat. Auch, wenn das für Außenstehende undenkbar scheint: Wer an Krebs erkrankt ist, kann trotz aller Erschütterung durchaus das Gefühl haben, der Situation gewachsen zu sein. „Wenn man dann mit großen Augen und Mitleidsbekundungen wie “Ach, du Arme„ angeguckt wird, tut das nicht unbedingt gut.“

Ein offenes Ohr und eine Schulter zum Ausweinen können guttun, sind aber nicht immer das, was am dringendsten gefragt ist. „Manchmal haben Krebspatientinnen und -patienten einfach keine Lust, über ihre Gefühle zu sprechen. Stattdessen liegt der Fokus darauf, handlungsfähig zu bleiben“, sagt die Expertin. Ganz wichtig, wie auch die Deutsche Krebshilfe in einem Ratgeber für Angehörige betont: Alleingänge und Entscheidungen, die über den Kopf der krebskranken Person hinweg getroffen werden, sind tabu.

Bei der Recherche können Angehörige in enger Absprache helfen: „Der Informationsbedarf nach der Diagnose ist riesig“, sagt Angela Grigelat. Geeignete Anlaufstellen sind etwa der Krebsinformationsdienst oder Patientenorganisationen. „Wichtig ist aber, nicht mit irgendwelchen medizinischen Ratschlägen zu kommen.“ Gut tut Betroffenen auch, wenn sie zu Terminen begleitet werden – von Chemotherapie bis Nachsorge. Auch hier gilt aber: Wünscht die krebskranke Person, allein zu diesen Terminen zu gehen, sollten Angehörige das akzeptieren.

Auch mit einer Krebserkrankung läuft der Alltag weiter. Da kann entlasten, wenn jemand das Kind von der Kita abholt oder einen Topf Suppe vorbeibringt, der nur aufgewärmt werden muss. LBY

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