Neues Netzwerk gegen Krebs

von Redaktion

Start einer Kooperation: Dr. Till Seiler, Chefarzt der Onkologie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen, und Prof. Hana Algül, Leiter des Krebszentrums CCC München des TUM-Klinikums, haben das Onkonetz Oberland ins Leben gerufen. © S. Sasse

Experten suchen in einem Molekularen Tumorboard gemeinsam nach der jeweils individuelle besten Strategie zur Krebsbehandlung. © Smarterpix

München – Mehr als 500 000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Krebs, meldet das Robert-Koch-Institut (RKI), und wartet gleich noch mit der weiteren Schreckensnachricht auf, dass statistisch jeder Zweite im Laufe des Lebens an Krebs erkrankt. Rund die Hälfte aller Fälle betrifft vier Krebsarten: die Prostata (79 600), die Brustdrüse (75 900), die Lunge (58 300) sowie den Dick- und Enddarm (55 300). Laut Deutscher Krebshilfe können heute rund 50 Prozent aller erwachsenen Krebspatienten geheilt werden, bei Kindern sind es 80 Prozent.

Zu verdanken ist das den enormen Fortschritten der modernen Krebsmedizin. Molekulargenetiker finden immer neue Schwachstellen, an denen sie den Krebs angreifen können. Besonders bei fortgeschrittenen oder seltenen Krebserkrankungen arbeiten die Mediziner heute nicht mehr mit Einheitstherapie, sondern mit individuell personalisierten Therapien (siehe Kasten).

Doch es gibt noch viel zu tun, um insbesondere die Versorgung auf dem Land zu verbessern. Dr. Pia Heußner, Psychoonkologin im Klinikum Murnau, sagt: „Die Menschen auf dem Land müssen für eine psychoonkologische Versorgung oft weite Anfahrten und lange Wartezeiten von bis zu sechs Monaten in Kauf nehmen – die Wartezeiten sind für manche Krebspatienten länger als die ihnen verbleibende Lebenszeit!“ Und noch etwas stellt laut der Expertin vor allem für betagte und schwer kranke Krebspatienten auf dem Land eine unüberbrückbare Hürde dar: Während Anfahrten zu ambulanten Chemotherapien und Ähnlichem als Krankenfahrten Kassenleistung sind, müssen die Patienten Fahrten zu Psychoonkologen selbst organisieren und bezahlen.

Weiterhin fehlt es auf dem Land an Onkologen. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gibt es keinen einzigen – dramatisch bei knapp 90 000 Einwohnern. Die Krebspatienten müssen also ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen, oder zu einem Onkologen bis nach Starnberg, München, Wolfratshausen oder Herrsching. Hier die Lage effektiv zu verbessern, ist Ziel des neuen Versorgungsnetzwerks OnkoNetzOberland, federführend gegründet von CCC-Leiter Prof. Hana Algül und Dr. Till Seiler, Chefarzt der Onkologie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen. „Unser Ziel ist es, Patienten im Oberland Zugang zu Studien und digitaler Beratung zu geben“, sagt Prof. Algül. Weiterhin soll Onko-NetzOberland die wohnortnahe Versorgung im Oberland stärken, betont Netzwerksprecher Dr. Till Seiler: „Unter anderem wollen wir die Versorgung von gebrechlichen und schwer kranken Personen zu Hause verbessern durch mobile Krankenversorgung und Psychookologen auf Rädern, die zu den Patienten kommen.“ Das Projekt startet im Frühsommer und wird für viereinhalb Jahre von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

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