Das Hühnchen wird mit vielen Zutaten geschmort.
Lieben beide die scharfe indische Küche: Prateek Reen und Redakteurin Stephanie Ebner.
Spinat: Erst kurz blanchiert, dann fein püriert.
Madame Chutney ist eine leidenschaftliche Köchin: Prateek Reen (38) bereitet original indische Gerichte zu. © A. Schmidhuber
Es ist keine zehn Jahre her, da landete Prateek Reen an einem grauen Dezembertag am Franz Josef Strauß Flughafen. Sechs Tage nach ihrer Hochzeit. Ihr Mann arbeitete zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahre in München. „Außer meinem Mann kannte ich damals niemanden.“ Keine Freunde, keinen Job, kaum Kenntnisse der deutschen Sprache. Dafür aber jede Menge Heimweh. Prateek Reen rief verzweifelt ihre Mutter und ihre Tante an. „Sie brachten mir per Video-Chat das Kochen bei.“ Das Heimweh kochte sich die junge Inderin so einfach weg.
In der Heimat hatte die Marketing-Fachfrau keine Zeit gehabt, um Gerichte zuzubereiten. Außerdem vertrat ihre Mutter die Auffassung: „Wenn man heiratet, kommt das Kochen ganz automatisch.“
Prateek Reen lernte mit Gewürzen umzugehen. Immer wenn Arbeitskollegen oder Freunde ihres Mannes vorbeikamen, kochte sie die Gerichte ihrer nordindischen Heimat. Mit großem Erfolg. Die Gäste waren begeistert. Irgendwann stand die Frage im Raum: „Warum mache ich das Kochen eigentlich nicht zum Beruf?“
Die Inderin eröffnete an der Alten Heide einen Streetfood-Laden. In einer Garage. Anfangs eine reine „One-Woman-Show“. „Ich habe eingekauft, gekocht, das Essen verkauft und abends noch geputzt.“ Es machte ihr Spaß, weil die Münchner das Essen liebten und das Heimweh mit der Zeit weniger wurde.
Den Street-Food-Laden gibt es nicht mehr, mittlerweile betreibt Prateek Reen zwei Lokale in der Münchner Innenstadt (Frauenstraße und Sendlinger Straße). Prateek Reen ist Madame Chutney in Person. Sie legt Wert auf Qualität ihrer Lebensmittel und Frische. „Es kann durchaus vorkommen, dass ein Gericht mal ausverkauft ist.“ Ihr Geheimnis für richtig gute indische Küche sind neben den Gewürzen – die indische Küche ist bekannt für ihre Gewürzvielfalt – „Geduld und Zeit“. In ihren beiden Restaurants findet man indische Gerichte, die man sonst nicht kennt: „Ich will den Leuten zeigen, dass indisches Essen mehr ist als nur Curry.“
München ist ihre zweite Heimat geworden. „Ich fühle mich wohl hier.“ Auch liebt sie das alpenländische Essen. Besonders das Wiener Schnitzel. Vor allem aber ist Prateek Reen die Nähe zu den Bergen wichtig. „Ich bin ein Moutain-Girl“, sagt sie über sich. Ihre indische Heimatstadt Shimla liegt an den Ausläufern des Himalaja-Gebirges.