Ruhe und Konzentration: Beides ist wichtig, wenn Sie selbst daheim Ihren Blutdruck messen.
Prüfen Sie genau: Bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel nehmen, lohnt sich das Hinschauen. Denn manche Mittel können körperliche Beschwerden hervorrufen. © smarterpix (2), privat
München – Im Gegensatz zu chemischen oder pflanzlichen Arzneimitteln müssen Nahrungsergänzungsmittel nicht die gleichen strengen Tests und behördlichen Kontrollen durchlaufen, bevor sie auf den Markt kommen. „Sie unterliegen keiner Zulassung auf Wirksamkeit“, sagt Prof. van der Giet. Verantwortlich für die Sicherheit sind die Hersteller. Und diese müssen nicht nachweisen, dass ihre Produkte wirken oder aber keine gesundheitlichen Probleme hervorrufen können. „Das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel, die damit werben, den Blutdruck zu senken“, betont der Internist.
Ob Kalium, Magnesium oder Multivitaminpräparate – der Experte erklärt die möglichen Risiken:
Mögliche Risiken
Brausetabletten: „Hier liegt das Problem in dem hohen Kochsalzgehalt. Das versteckte Natrium, das den Sprudeleffekt erzeugt, kann den Blutdruck sogar in die Höhe treiben. Denn Menschen mit Bluthochdruck sollten weitgehend auf Salz verzichten.“
Pillen mit Grapefruit-Extrakt: „Diese Nahrungsergänzungsmittel werden oft als natürliche Antibiotika angepriesen. Hier besteht jedoch die Gefahr einer problematischen Wechselwirkung, sodass die Wirkung von Blutdrucksenkern ungewollt verstärkt wird.“
Kalium: „Werden Mittel mit zu viel Kalium eingenommen, kann das zu einer gefährlichen Überdosierung führen und Herzrhythmusstörungen oder Muskelschwäche auslösen.“ Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Kaliumzufuhr von etwa vier Gramm – was durch eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten möglich sei.
Süßholzextrakt: „Kommt oft in Lakritze, Tees oder Hustensäften vor und wird als hustendämpfend oder auch magenschonend empfohlen. Doch der Stoff Glycyrrhizin blockiert den Abbau von körpereigenem Cortisol und kann damit bei übermäßigem Konsum zu Hochdruck führen. Auch Wassereinlagerungen in den Nieren sind eine gefährliche Nebenwirkung.“ Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sollten maximal 100 mg Glycyrrhizin am Tag konsumiert werden.
Sibirischer Ginseng: „Das soll angeblich gegen Müdigkeit, Schwäche und nachlassende Konzentrationsfähigkeit helfen. Doch die borstige Taigawurzel, die das Herz-Kreislauf-System stimuliert, kann den Hochdruck beeinflussen und zu Herzbeschwerden führen. Personen mit Bluthochdruck sollten vor der Einnahme von sibirischem Ginseng mit ihrem Arzt sprechen.“
Bitterorange-Extrakt: „Geringe Mengen, wie man sie zum Beispiel in Marmelade findet, gelten als unbedenklich. Es gibt aber Extrakte, die für die Gewichtsreduktion verkauft werden. Der darin enthaltene Wirkstoff Synephrin kann den Blutdruck erhöhen und zu Herzbeschwerden führen.“
Vitamin-D-Präparate: Im Winter bildet unser Körper weniger Vitamin D. Aber Vorsicht: „Wird Vitamin D auf längere Zeit in zu hohen Dosen eingenommen, kann das zu einem zu hohen Kalziumspiegel im Blut, der Hyperkalzämie, führen. Mögliche Folgen sind auch hier Bluthochdruck, Übelkeit und Nierenschäden.“ Die Europäische Lebensmittelbehörde hat die sichere tägliche Obergrenze bei Vitamin D für Erwachsene bei 100 Mikrogramm pro Tag festlegt.
Richtig vorbeugen
Was van der Giet manchmal in der Praxis sieht, lässt ihn deshalb auch den Kopf schütteln: „Für uns Mediziner ist es schwer nachvollziehbar, warum manche Menschen wissenschaftlich geprüfte Blutdruckmedikamente ablehnen, aber durch den Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln bedenkenlos gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen.“ Bei Bluthochdruck sei „eine wirksame Einstellung nur mit Medikamenten möglich. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen aber weder Therapie noch eine gesunde Ernährung.“
Zur Vorbeugung setzt sich die Deutsche Hochdruckliga schon seit Jahren für eine gesunde Ernährung ein. Empfohlen wird vor allem eine salzarme Variante der mediterranen Kost. Dazu zählen viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Geflügel, Fisch, Bohnen und Nüsse – und im Gegenzug wenig Salz, Zucker, zugesetzte Fette und rotes Fleisch. Noch mehr Ernährungstipps finden Sie auch online unter www.hochdruckliga.de/betroffene/bluthochdruck-und-ernaehrung.