Die Erkrankung beginnt harmlos, kann aber zu massiven Schmerzen führen. © gsk
Schutz vor Gürtelrose: Eine Frau lässt sich gegen Gürtelrose impfen. © Fotos: Smarterpix, GSK
München – Als Ulrich Brottmann am Morgen nach einer anstrengenden Radtour in den Spiegel blickte, entdeckte er einen Ausschlag an der Nase. Nur ein paar Tage später hatte sich der Ausschlag stark ausgebreitet, das Auge war komplett zugeschwollen. Es folgten extreme Nervenschmerzen, Schmerzattacken und eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit. Herpes zoster – Gürtelrose – lautete die Diagnose. „Es war, als würde jemand mit Nadeln in meinen Kopf stechen“, erinnert sich der heute 65-Jährige. „Das Virus hatte sogar die Hornhaut meines linken Auges angegriffen, und ich drohte zu erblinden.“ Brottmann war sechs Monate stark eingeschränkt. „Ich konnte nicht schlafen, nicht lesen, nicht einmal hinausgehen. Die Schmerzen waren unglaublich! Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, fühlte sich die bloße Berührung meiner Wimpern an wie eine Explosion!“ Auch heute, drei Jahre nach der Erkrankung, leidet er noch unter Nervenschmerzen.
Sein Fall ist kein Einzelfall. Das wurde bei der Veranstaltung des Pharmaunternehmens GSK anlässlich der Fokuswoche Gürtelrose (23. Februar bis 1. März 2026) deutlich, bei der Experten und Betroffene über die oft dramatischen Folgen der Nervenerkrankung berichteten. Denn jeder Dritte erkrankt im Laufe seines Lebens an Gürtelrose.
■ Keine harmlose Hautkrankheit
Noch immer wird Gürtelrose häufig unterschätzt. Viele verbinden sie lediglich mit einem unangenehmen Hautausschlag. „Dabei ist Gürtelrose keine Hauterkrankung, sondern eine Entzündung der Nerven“, betont Dr. Markus Frühwein, Allgemeinmediziner und Präventionsexperte aus München. „Eine akute Gürtelrose ist immer ein medizinischer Notfall.“ Alleine in Deutschland gibt es 400 000 Erkrankungen jährlich – 20 000 davon müssen stationär behandelt werden.
Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus, das fast 95 Prozent der Menschen nach einer Windpockeninfektion lebenslang in sich tragen. Die Windpocken heilen nach der Erkrankung zwar ab, doch das Virus selbst nistet sich in den Hirnnerven und in den Nervenwurzeln des Rückenmarks ein und schlummert dort jahrelang unbemerkt.
Unter bestimmten Umständen, zum Beispiel mit zunehmendem Alter, bei einer geschwächten Immunabwehr oder durch Trigger wie Stress oder Alkohol, beginnen sich die Viren erneut zu vermehren, wandern dann entlang der Nervenbahnen nach außen an die Haut. Dort bilden sich Bläschen, die oft rosettenförmig angeordnet sind – daher auch der Name Gürtelrose. Dabei können alle Körperregionen, das Gesicht, aber auch Organe wie zum Beispiel die Augen, die Ohren oder das Gehirn betroffen sein. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Rheuma oder Lungenerkrankungen. Aber auch jüngere Menschen ab 18 Jahren sind zunehmend betroffen.
■ Wenn die Diagnose zu spät kommt
Wie schwer der Verlauf sein kann, erlebte auch Nicole Hahn (55). Sie erkrankte im März 2025 an Gürtelrose im Gesichts- und Nackenbereich. „Anfangs war da nur ein leichter Ausschlag, aber ich hatte brennende Schmerzen“, erzählt sie.
Der Arzt verschrieb antivirale Medikamente. Sie schienen zu wirken, doch dann war plötzlich ihre linke Gesichtshälfte gelähmt. Hahn kam für zwei Wochen ins Krankenhaus. „Ich konnte nicht mehr essen und trinken, selbst das Sprechen musste ich mühsam wieder lernen“. Der Zustand von Auge und Lippen hat sich seitdem zwar stark verbessert, allerdings kommt es noch immer gelegentlich zu Muskelschwächen und Schmerzattacken.
■ Schmerzen, die den Alltag zerstören
Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie massiv die Erkrankung das Leben beeinträchtigen kann: 50 Prozent der Betroffenen berichten von starken, den Alltag störenden Schmerzen, mehr als ein Drittel konnte zeitweise nicht arbeiten oder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. 28 Prozent sagten rückblickend: „Ich hätte nicht erwartet, dass es so ernst wird.“
Besonders gefürchtet ist die Post-Zoster-Neuralgie – chronische Nervenschmerzen, die Monate oder sogar Jahre anhalten können. „Sind diese Schmerzen erst einmal etabliert, sind sie oft nur schwer zu behandeln. Dann können mit etwas Glück nur noch hohe Dosen einer Schmerzmedikation helfen“, erklärt Dr. Frühwein. „Deshalb ist schnelles Handeln entscheidend, sobald man die ersten Symptome bemerkt. Denn je früher man handelt, desto besser! Typische Symptome im Anfangsstadium, – also einige Tage vor dem Ausschlag – sind brennende, stechende oder ziehende Schmerzen in einem Hautareal, Dauerschmerz, Berührungsempfindlichkeit oder Kribbeln auf der Haut. Aber es gibt auch unspezifische Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen“, so der Mediziner. Einige Tage später bilden sich dann kleine, gruppierte, flüssigkeitsgefüllte Bläschen auf geröteter Haut, meist am Rumpf, seltener im Gesicht und am Hals. Ansteckend sind diese übrigens nur für Menschen, die keine Windpocken hatten!“
■ Besondere Gefahr für chronisch Kranke
Brisant: Menschen mit chronischen Erkrankungen haben ein um bis zu 30 Prozent höheres Risiko, an Gürtelrose zu erkranken. Zusätzlich kann Gürtelrose den Verlauf bestehender Grunderkrankungen verschlechtern – etwa bei Diabetes, wenn akute Infektionen den Blutzucker destabilisieren.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose für alle Menschen mit chronischen Erkrankungen ab 18 Jahren sowie generell für alle ab 60. Ziel ist es, schwere Verläufe und Komplikationen zu verhindern – denn eine durchgemachte Gürtelrose schützt nicht vor einer erneuten Erkrankung.