Berlin – Fußball, Dachbalken, geöffnete Tür des Küchenschranks: Machen sie Bekanntschaft mit dem Schädel, sehen wir erst einmal Sternchen. Oft kommen wir bloß mit dem Schrecken davon, manchmal ist aber auch eine Gehirnerschütterung die Folge. Neurochirurg Prof. Eckhard Rickels und Neurologe Prof. Frank Erbguth klären auf.
Was passiert bei einer Gehirnerschütterung?
Macht der Kopf Bekanntschaft mit dem Küchenschrank oder dem Boden, ist das zwar schmerzhaft, aber meist unbedenklich. „Die leichteste Form des Kontakts ist die sogenannte Schädelprellung. Die betrifft das Gehirn nicht“, sagt Frank Erbguth. Ist der Schlag jedoch so heftig, dass auch das Gehirn involviert ist, sprechen Mediziner von einem Schädel-Hirn-Trauma, das drei verschiedene Schweregrade haben kann.
Die leichteste und häufigste Form ist im Volksmund als Gehirnerschütterung bekannt. „Dabei wird das Gehirn an die Schädelwand gepresst, wobei Gehirnzellen kurzfristig in ihrer Funktion beeinträchtigt werden können. Salopp gesagt, ist das wie ein temporärer Softwareschaden“, sagt Erbguth.
In Deutschland gebe es Studien zufolge jährlich etwa 500 000 Schädel-Hirn-Verletzungen, sagt Eckhard Rickels von der ZNS-Stiftung – Hilfe für Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma. Ungefähr 90 Prozent davon seien leichte Traumata.
Welche Symptome gibt es?
Bei einem Schädel-Hirn-Trauma kommt es in der Regel zu Bewusstseinsstörungen. Das unterscheidet es per Definition von der einfachen Schädelprellung. Neben Bewusstlosigkeit oder Benommenheit können sich auch folgende Symptome zeigen: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Erinnerungsstörungen, plötzliches Schwitzen, Kreislaufbeschwerden, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Reizbarkeit und Ermüdung.
Wann sollte ich in die Notaufnahme gehen?
Die Schwere von Kopfverletzungen ist für Laien oft nicht zweifelsfrei festzustellen. Aufmerksames Beobachten kann helfen. Halten die Beschwerden an, sollte man rasch den Weg in die Notaufnahme suchen. „In der Regel kann die Bewusstseinsstörung bis zu etwa 30 Minuten andauern. Bei länger anhaltenden Symptomen sollte sehr schnell ein Bild vom Gehirn gemacht werden“, sagt der Neurologe Frank Erbguth. Neben anhaltenden Bewusstseinsstörungen, wiederkehrendem Schwindel oder Erbrechen seien Symptome wie Lähmungen oder Krampfanfälle deutliche Alarmzeichen. DPA