Wechseljahre: So kann Mann helfen

von Redaktion

Beziehungsglück in den Wechseljahren erfordert Geduld und Verständnis. © Smarterpix

München – Thomas Schmidler merkte als Erster, dass sich etwas verändert hatte. Seine Frau Martina (52) war plötzlich schneller gereizt, schlief schlecht und wirkte oft erschöpft. Nachts wachte sie schweißgebadet auf, tagsüber fehlte ihr die Energie. „Gespräche endeten immer häufiger im Streit und auch auf Zärtlichkeiten hatte sie immer seltener Lust“, erinnert sich der Münchner. „Lange hielt ich das alles für Stress, zu viel Arbeit, oder dachte, sie hätte zu wenig Zeit für sich selbst. Bis Martina eines Abends sagte: ‚Ich glaube, ich bin in den Wechseljahren‘.“ Eine Aussage, die für viele Männer eine Phase der Verunsicherung einläutet.

Männer fühlen sich häufig überfordert

Die Wechseljahre sind kein plötzliches Ereignis, sondern ein jahrelanger biologischer Prozess. Bei den meisten Frauen ist das zwischen Mitte 40 und Mitte 50 der Fall. Schon Jahre vor der letzten Regelblutung, in der sogenannten Perimenopause, verändern sich die Hormone stark. Zuerst sinkt das Progesteron, später folgt das Östrogen. Diese Schwankungen wirken sich auf Schlaf, Stimmung, Körpergefühl und Sexualität aus. Während dieses Übergangs in die Wechseljahre ist die Periodenblutung weniger regelmäßig. Der Eisprung findet nicht mehr monatlich statt, es kommt zu einem Mangel an Progesteron, dem Gelbkörperhormon. Progesteron hat eine ausgleichende, schlaffördernde, zum Teil beruhigende Wirkung. Fehlt es, können bereits kleine Dinge die Laune beeinträchtigen.

Viele Männer erleben diese Phase als emotionalen Kontrollverlust. Die Partnerin reagiert anders als früher, Konflikte eskalieren schneller, Nähe verändert sich. Nicht selten fühlen sich Männer zurückgewiesen oder persönlich angegriffen.

Typische Anzeichen der Veränderungen

„Für Männer ist diese Phase schwer nachzuvollziehen“, weiß der Nürnberger Gynäkologe und Hormonexperte Dr. Bernd Kleine-Gunk. „Was man als Mann wissen muss: Die Wechseljahre bei der Frau sind eine massive hormonelle Umstellung, die ein Mann in dieser Form nicht erlebt.“ Zwar gibt es auch beim Mann altersbedingte hormonelle Veränderungen, „aber das langsame Absinken des Testosterons ist nicht vergleichbar. Die Umstellung bei Frauen ist sehr viel radikaler – und damit auch die Beschwerden. Kurzum: Die Veränderungen sind biologischer Natur und haben nichts mit Willensschwäche oder Launen zu tun. Das zu verstehen, ist der erste wichtige Schritt.“

Oft sind es die Partner, denen die Veränderungen zuerst auffallen. Schlafstörungen, nächtliches Schwitzen, Hitzewallungen oder eine ungewohnte emotionale Reizbarkeit gehören zu den häufigsten Anzeichen. Viele Frauen fühlen sich schneller überfordert, reagieren empfindlicher oder ziehen sich zurück. Selbstzweifel oder depressive Verstimmungen können oft aus heiterem Himmel und ohne erkennbaren Grund auftreten. Hinzu kommen körperliche Veränderungen wie Gewichtszunahme, trockene Haut oder Gelenkbeschwerden. Für Männer wirkt das oft wie eine anhaltende Krise ohne klaren Auslöser.

Wenn Beschwerden über Monate anhalten und körperliche Symptome dazukommen, ist es meist mehr als eine vorübergehende Belastung. Spätestens dann sollten Männer ihre Partnerinnen ermutigen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Der Gang zum Gynäkologen und ein offenes Gespräch über eine mögliche Hormonersatztherapie sind wichtige Schritte“, so Kleine-Gunk.

Wenn die Lust schwindet

Belastend ist für viele Paare das Thema Sexualität. Nähe wird seltener, Lust verändert sich, Missverständnisse entstehen. Umso wichtiger ist der richtige Umgang. „Durch den Hormonmangel kommt es häufig zu Scheidentrockenheit, wodurch Sexualität schmerzhaft werden kann“, sagt Kleine-Gunk. „Das lässt sich auch relativ einfach behandeln, etwa durch eine lokale Hormonersatztherapie.“ Wichtig ist, das nicht als Zurückweisung zu verstehen. Stecken aber tieferliegende partnerschaftliche Probleme dahinter, dann braucht es Gespräche – und manchmal auch professionelle Hilfe.“

Denn genau an mangelnder oder falscher Kommunikation scheitert es häufig. Männer fühlen sich hilflos, Frauen unverstanden. Dabei ist es entscheidend, die Veränderungen richtig einzuordnen: „Das ist nichts, was Männer kennen – und deshalb sollten sie es auch anders bewerten. Es hat nichts mit mangelnder Liebe zu tun“, betont Kleine-Gunk und rät: „Nicht persönlich nehmen, reden und Geduld haben.“

Kommunikation ist wichtig

Für die Beziehung ist diese Zeit besonders herausfordernd. Kommunikation wird schneller emotional, alte Konflikte brechen auf. Umso wichtiger ist es, nicht sofort Lösungen präsentieren zu wollen. Zuhören, ernst nehmen, da sein – das wirkt oft stärker als gut gemeinte Ratschläge. Kleine Gesten im Alltag, etwa Entlastung im Haushalt oder Rücksicht auf Schlafbedürfnisse, können viel Halt geben, genau wie z. B. gemeinsame Unternehmungen oder Spaziergänge. Denn neben medizinischen Ansätzen spielt der Lebensstil eine große Rolle. Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion können Wechseljahresbeschwerden lindern.

Die Wechseljahre sind aber kein Dauerzustand. Nach der Menopause stabilisiert sich der Hormonhaushalt meist wieder. Und die Wechseljahre haben auch positive Seiten: „Viele Frauen empfinden es als Erleichterung, dass Blutungen wegfallen und Verhütung kein Thema mehr ist“, sagt der Experte. Für manche beginnt danach eine neue, selbstbewusstere Lebensphase. So herausfordernd diese Zeit sein kann, sie birgt auch eine Chance. Paare, die lernen, ganz offen zu sprechen, Verantwortung zu teilen und einander neu zu begegnen, können gestärkt daraus hervorgehen.

Artikel 4 von 6