IN KÜRZE

Alzheimer-Medikament droht das Aus

von Redaktion

Der neue Alzheimer-Wirkstoff Donanemab beseitigt Plaques im Gehirn. © dpa

München – Die neuen Alzheimer-Medikamente Lecanemab und Donanemab setzen an den Ursachen an, indem sie die krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn beseitigen. Nun aber hat ein Expertengremium einen Beschluss gefasst, der einen schweren Rückschlag für die neuen Medikamente bedeutet: Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken (G-BA) hat entschieden, dass das seit 2025 bei uns verfügbare Medikament Lecanemab „keinen belegten Zusatznutzen im Vergleich zu älteren Behandlungsansätzen“ habe.

Die Entscheidung ist „voreilig und falsch“, kritisiert Prof. Peter Falkai, Direktor des Max-Planck-Institutes für Psychiatrie (MPI) in München: „Wir haben 120 Jahre auf eine Therapie gewartet, um Alzheimer den Schrecken zu nehmen. Jetzt darf man sie uns nicht voreilig vorenthalten!“ Denn immer mehr Studien indizierten sehr wohl positive Wirkungen. Gestern startete am MPI die Behandlung einer Patientin mit dem Wirkstoff Donanemab. Dieser ähnelt Lecanemab, befindet sich aber noch im Zulassungsverfahren. Die neuen Medikamente können den Verlauf um mindestens sechs Monate verlangsamen. Zwar kommen sie nur zehn bis 20 Prozent der Patienten infrage, unter anderem, weil sie früh verabreicht werden müssen. Prof. Falkai betont: „Es kann aber doch nicht sein, dass wir Alzheimer zwar zuverlässig früh diagnostizieren können, dann aber den Patienten nicht helfen und neue, erfolgsversprechende Therapien nicht weiterentwickeln.“

Die G-BA-Bewertung hat einen großen Einfluss auf die Verhandlungen über den Preis, den gesetzliche Krankenkassen künftig für Lecanemab zahlen. Einigen sie sich nicht, könnte der Hersteller das Mittel vom deutschen Markt zurückziehen – gleiches droht dann auch dem ähnlichen Medikament Donanemab. SUSANNE SASSE

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