Alzheimer: Zweifel an neuem Medikament

von Redaktion

Berlin – Der neue Alzheimer-Wirkstoff Lecanemab hat nach Ansicht eines Expertengremiums keinen Zusatznutzen im Vergleich zu älteren Behandlungsansätzen. Nach Darstellung von Wissenschaftlern und Ärzten ist Lecanemab ein erster Wirkstoff, der nicht nur die Symptome der Erkrankung bekämpft, sondern auch an die Ursachen geht. Lecanemab ist ein Antikörper, der sich gegen die Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn richtet: Er bindet das Amyloid-Beta-Eiweiß und soll weitere Ablagerungen verhindern. Außerdem soll er bereits abgelagertes Eiweiß mithilfe des Immunsystems teilweise wieder abbauen. So soll das Medikament das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Das Medikament ist nur für Erwachsene mit leichter kognitiver Störung sowie mit leichter Demenz zugelassen.

In Deutschland ist Lecanemab seit September 2025 auf dem Markt. Die Zulassung war lange umstritten, unter anderem wegen der Gefahr von Nebenwirkungen wie etwa Hirnschwellungen oder Mikroblutungen.

■ Das sagt der Bundesausschuss

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken sieht in den vom Hersteller vorgelegten Studiendaten keinen belegten Zusatznutzen des neuen Wirkstoffs im Vergleich zum bisherigen Therapiestandard. Es gebe für Lecanemab keinen Vorteil bei den Patienten, die eine Verschlechterung der Symptome oder der Lebensqualität nach 18-monatiger Behandlung erleiden. Zudem zeigten sich auch keine relevanten Unterschiede in der Sterblichkeit und bei den Nebenwirkungen. Zu einer identischen Bewertung kam Mitte Februar das niederländische Gesundheitsinstitut.

■ Was bedeutet das?

Die Ärzte sind weiter berechtigt, das Medikament zu verschreiben. Allerdings bildet der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses nun die Grundlage für Preisverhandlungen für das Arzneimittel zwischen dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen und dem Hersteller. Ob Lecanemab am deutschen Markt bleibt, entscheidet allein der Hersteller. Bei fehlendem Zusatznutzen darf der Preis eines neuen Medikamentes nicht allzu stark von dem verfügbarer Arzneimittel abweichen. Lecanemab ist etwa hundertfach teurer als die schon länger verfügbaren, auf Symptome abzielenden Mittel. Die derzeit verschriebenen Acetylcholinesterase-Hemmer kommen auf Jahresbehandlungskosten von etwa 250 Euro. Lecanemab kostet derzeit 25.000 Euro pro Jahr.

■ Gibt es auch Kritik am Bundesaussschuss?

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) wertete die Entscheidung als Rückschlag für Betroffene. Sie erschwere die Erhebung von wichtigen Forschungsdaten aus dem Alltag, zum Beispiel zur Frage, welche Patientengruppen besonders von der Therapie profitierten. Jörg B. Schulz, Sprecher der Kommission „Demenzen“ der DGN, betonte, die Zulassungsstudien hätten eine Verlangsamung des kognitiven Abbaus um bis zu 30 Prozent gezeigt. Das sei durchaus erheblich, zumal aktuelle Daten, die über die ersten 18 Monate hinausgehen, zeigten, dass die Effekte mit fortgesetzter Therapie über die Zeit weiter zunähmen.

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