Der große Demenz-Test: Wie fit ist Ihr Gehirn?

von Redaktion

Gedächtnistraining: Bei Apothekerin Ourania Katsarou in der Pfauen-Apotheke in Unterhaching können Kunden den Test am Tablet machen. © Marcus Schlaf

München – Rund 1,8 Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer Demenzerkrankung – die meisten sind von Alzheimer betroffen. Täglich kommen etwa 900 Neuerkrankungen dazu, schätzt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Eine riesige Herausforderung für unsere Bevölkerung, denn 2050 könnten bis zu 2,7 Millionen Menschen erkrankt sein.

Alzheimer ist eine fortschreitende Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn allmählich absterben. Die Ursachen sind noch nicht gänzlich erforscht. Da im Gehirn der Patienten aber Ablagerungen von Eiweißpartikeln nachweisbar sind, vermuten Experten, dass diese Ablagerungen die Nervenzellen schädigen.

Die Forschung sowie die Medikamentenentwicklung gegen Alzheimer laufen auf Hochtouren. Beispiel: „ACCESS AD“, ein Großprojekt der EU, das die Diagnostik und Behandlung verbessern soll. Dafür stehen 37 Millionen Euro zur Verfügung. Federführend bei den 30 beteiligten Forschungsorganisationen ist das Klinikum der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) unter Leitung von Prof. Robert Perneczky aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Die ersten Medikamente gegen Alzheimer wurden 2025 in der EU zugelassen. Zwar sah der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken (G-BA) kürzlich für den Wirkstoff Lecanemab keinen belegten Zusatznutzen. Doch G-BA-Vorsitzender Josef Hecken erklärt: „Kein Zusatznutzen bedeutet nicht, dass der Wirkstoff nutzlos ist.“ Es gehe darum, ob der Wirkstoff Vorteile zu bislang angewendeten Behandlungen hat. Das G-BA-Urteil über den vergleichbaren Wirkstoff namens Donanemab soll in Kürze folgen.

Prof. Perneczky ist zuversichtlich: „Die Einführung der neuen Therapien ist ein wissenschaftlicher Durchbruch. Entscheidend ist aber, ob wir diese Fortschritte für alle zugänglich in die Regelversorgung bringen.“ ACCESS AD biete die Chance, europaweit Versorgungsstrukturen zu schaffen. „Dafür entwickeln wir ein integriertes Versorgungskonzept entlang des gesamten Krankheitsverlaufs.“

So wurden in einem Modellprojekt mit Unterstützung des Bayerischen Gesundheitsministeriums in 13 Münchner Apotheken Tablets installiert, mit denen ältere Kunden einen Gedächtnistest des Anbieters Medotrax machen können (siehe Kasten). Und die Betroffenen bekommen Adressen von Anlaufstellen, die über Präventionsmaßnahmen informieren. „Was man machen kann, damit das Gehirn fit bleibt“, sagt der Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Geriatrie.

Außerdem hat er mit seinem Team einen Fragebogen entwickelt, der die subjektive kognitive Leistungsfähigkeit beurteilen kann (links). „Mehrere hundert Personen haben den Test bereits gemacht. Teilnehmen kann man ab 60 Jahren, beispielsweise bei uns im LMU Klinikum“, sagt Perneczky. „Aber auch Seniorenzentren erhalten den Test von uns. Gedacht ist er für Menschen, denen aufgefallen ist, dass sie selbst Gedächtnisprobleme haben.“

Auch Sie können sich heute testen. In der Grafik gibt es 17 Fragen mit fünf Antwortmöglichkeiten. Pro Antwort gibt es 0 bis 4 Punkte, die man addiert. „Wer mehr als 22 Punkte hat, bei dem könnte eine weitere medizinische Abklärung hilfreich sein“, erklärt Prof. Perneczky. „Eine beginnende Demenz ist nur eine von vielen möglichen Ursachen, der Grund kann auch woanders liegen, wie bei einer bisher nicht erkannten Depression.“

Was ihm wichtig ist: „Nicht in Panik geraten. Es gibt viele Maßnahmen, darunter neue Medikamente, um einer Abnahme der geistigen Leistung entgegenzuwirken.“ Wichtige Anlaufstellen findet man auf der Homepage des LMU Klinikums. Bei einem auffälligen Selbsttestergebnis kann man sich auch direkt an das Team von Prof. Perneczky wenden, um in einer wissenschaftlichen Studie weitere Klärung zu erhalten. E-Mail: psy-predictom@med.uni-muenchen.de

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