Anhaltend schwerer Husten: In diesem Fall sollten Sie zum Arzt, da er ein Zeichen für COPD sein kann. 40 Prozent der COPD-Patienten haben mäßige bis schwere Atemnot. © smarterpix
München – COPD ist die englische Abkürzung für Chronic Obstructive Pulmonary Disease, zu Deutsch chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Obstruktiv bedeutet verengend, bei COPD sind die Atemwege, speziell die Bronchien, verengt, sodass der Atemluftstrom erschwert wird. Prof. Dr. Jürgen Behr, Chef der Lungenheilkunde am LMU Klinikum, und Oberarzt Dr. Pontus Mertsch klären über die Krankheit auf.
Wer ist betroffen?
Die COPD entwickelt sich häufig bei Rauchern und Ex-Rauchern. Mit zunehmendem Alter sind Männer und Frauen etwa gleich häufig betroffen. Daneben gibt es weitere Ursachen wie Frühgeburtlichkeit, genetische Gründe, Luftverschmutzung oder Infektionen.
Wie gefährlich ist COPD?
COPD ist weltweit die dritthäufigste Todesursache. Jährlich sterben rund drei Millionen Menschen an COPD. Erwartet wird ein Anstieg auf 5,4 Millionen Todesfälle pro Jahr bis 2060.
Was bedeutet das für unser Gesundheitssystem?
Es entstehen früh hohe Kosten. Pro Patient steigen diese von 4400 Euro pro Jahr in milden bis zu rund 10.800 Euro in schweren Stadien. Die indirekten Kosten, vor allem durch Arbeitsausfälle, können pro Erkrankten über 30.000 Euro jährlich erreichen.
Warum wird die Krankheit oft so spät diagnostiziert?
In der frühen Phase fehlen häufig ausgeprägte Symptome. Beschwerden treten anfangs, wenn überhaupt, nur unter starker Belastung oder bei Atemwegsinfekten auf. Solche Anzeichen werden aber häufig als normale Alterserscheinungen fehlinterpretiert. Außerdem vermeiden viele Raucher Arztbesuche, obwohl sie das Risiko kennen. Dadurch erfolgt die Diagnosestellung meist erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien.
Was sind Risikofaktoren?
Neben Tabakrauchen und Vapen können auch seltene erblich bedingte Ursachen wie der Alpha-1-Antitrypsinmangel, eine vererbbare Stoffwechselerkrankung, zu COPD führen. Diese betroffenen Patienten sind häufig jünger. Ein immer größeres Risiko bilden Feinstaub und die Auswirkungen des Klimawandels. Neben der Luftverschmutzung sind auch Schadstoffe, die zum Beispiel durch Waldbrände entstehen, gefährlich. Zusätzliche Risikofaktoren sind Atemwegsinfektionen in der Kindheit, aber auch Infektionen mit Tuberkulose. Weniger in Europa, aber durchaus relevant in anderen Teilen der Welt, stellt das Kochen an offenen Feuerstellen in Innenräumen und die damit einhergehende Feinstaubbelastung ein Risiko dar.
Woran erkennt man COPD?
In Studien haben bis zu 40 Prozent der COPD-Patienten mäßige bis schwere Atemnot. Zunächst bei Belastung, bei fortgeschrittener Erkrankung auch in Ruhe. Frühe Warnzeichen können eine Enge auf der Brust, Keuchen und anstrengendes Atmen sein. Häufig ist auch der Husten. Dieser kann an manchen Tagen weg, an anderen dafür umso ausgeprägter sein. Oft wird vom „Raucherhusten“ gesprochen – statt ihn als COPD-Symptom wahrzunehmen. Mal ist der Husten trocken, dann wieder mit Auswurf. Der Auswurf ist häufig weiß, kann aber auch farbig sein, wenn die Bronchien entzündet sind. Die Krankheit entwickelt sich langsam. Ein Alarmsignal: Blut im Auswurf – dann ist Abklärung dringend notwendig.
Wie kann ich vorbeugen?
Das Wichtigste ist, nicht zu rauchen oder mit dem Rauchen aufzuhören, da Tabakrauch hohe Feinstaubkonzentrationen enthält und der häufigste vermeidbare Auslöser ist. Das Achten auf saubere Luft und das Vermeiden von Schadstoffen wie Feinstaub oder Rauch schützen die Lunge ebenfalls. Regelmäßige körperliche Aktivität im Alltag beugt einer Verschlechterung der Lungenfunktion vor. Die Durchführung der von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken, COVID-19 und das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) hilft, Infektionen zu vermeiden und damit auch das Risiko für schwere Verläufe in einer bereits vorgeschädigten Lunge zu vermindern.
Welche neuen wissenschaftlichen Ansätze gibt es?
In den letzten Jahren ist zunehmend die Rolle der die COPD verursachenden Entzündungsvorgänge in den Fokus der Forschung gerückt. In bestimmten Situationen gibt es bereits erste medikamentöse Therapieansätze. Insgesamt ist aber die Rolle der Entzündung und des Immunsystems bei der Entstehung der COPD noch nicht ausreichend verstanden.
Als Teil des deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) am Standort München (CPC-M) arbeiten wir gemeinsam mit den Kollegen der Grundlagenforschung daran, diese Lücken zu schließen. Hierbei liegt ein besonderer Fokus auf dem Verständnis, wie die einzelnen Komponenten des Immunsystems zur Entzündung beitragen, sowie darauf, Prozesse einer vorzeitigen Alterung von Zellen zu untersuchen. Je genauer die einzelnen Vorgänge, die zur Ausbildung einer COPD führen, verstanden sind, desto besser können neue, möglichst zielgerichtete Therapien für unsere Patienten entwickelt werden.