KBO-KLINIKUM HAAR

Mehr Flexibilität: Neues Konzept in der Psychiatrie

von Redaktion

Eine Psychologin besucht eine Patientin in ihrer Wohnung daheim. © Mauritius

Haar – Es geht um weitverbreitete psychische Probleme wie Depressionen, Traumata, Schizophrenie, Suchtkrankheiten oder Demenz: Viele Menschen mit psychischen Problemen erleben ihren Alltag als anstrengend, unübersichtlich oder belastend. Dabei fehlt es häufig an der passenden Unterstützung zur richtigen Zeit. Genau hier setzt ein ganz neues Konzept des kbo-Isar-Amper-Klinikums in Haar an.

Patienten des Isar-Amper-Klinikums werden entweder stationär oder ambulant in der Tagesklinik oder den klinikeigenen Ambulanzen behandelt. Seit 2018 betreuen auch Teams aus Ärzten, Pflegern und Sozialarbeitern die Patienten daheim. Ein umfangreiches Hilfsangebot: „Und doch haben wir manche Patienten verloren“, bedauert Kliniksprecher Henner Lüttecke. Denn im System klaffte eine verhängnisvolle Lücke zwischen stationärem Klinikaufenthalt und ambulanten Angeboten.

Beides musste die Klinik bislang streng getrennt mit den Krankenkassen abrechnen. Patienten mussten so von der stationären Behandlung komplett abgemeldet und für die Tagesklinik nebenan neu aufgenommen werden. So entstanden Wartezeiten, in denen Patienten nicht selten ihre Behandlung abbrachen.

Künftig werden nun die ehemals streng getrennten Budgets für stationäre und ambulante Behandlungen zusammengelegt. Eine Regelung, die der Ärztliche Direktor Peter Brieger als Meilenstein für die umfassende Versorgung der Patienten bezeichnet: „Ein Perspektivwechsel in der psychiatrischen Versorgung. Wir wollen weg von der Überlegung, wie wir die Betten füllen können, und hin zur entscheidenden Frage: Was benötigt der Mensch wirklich?“ Dahinter steht auch die Erkenntnis, dass ein Klinikaufenthalt längst nicht für jeden Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation immer der beste Weg ist.

So erhole sich zum Beispiel eine Mutter mit einer postnatalen Depression wahrscheinlich lieber daheim als im Krankenhaus, so Brieger: „Heute können wir sie daheim behandeln.“ In Zukunft kann das Isar-Amper-Klinikum im Sinne der Patienten über die Behandlungen freier entscheiden und sie flexibler steuern.

Profitieren werden davon Menschen in der Stadt und dem Landkreis München sowie in den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Dachau und Teilen von Ebersberg. „Es ist mit Abstand das größte Modellvorhaben in Deutschland“, erläutert Peter Brieger. Das kbo-Isar-Amper-Klinikum sichert die Versorgung für 2,5 Millionen Menschen.DORITA PLANGE

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