Komplexer Befund: Dr. Reinhard Schneiderhan erklärt Monika Meindl-Zinder die Spinalkanalstenose.
Dr. Reinhard Schneiderhan testet die Reflexe seiner Patientin Monika Meindl-Zinder. © MVZ
Test nach erfolgreicher Behandlung: Dr. Reinhard Schneiderhan untersucht Monika Meindl-Zinder. © Fotos: Ramona Müller
München – Monika Meindl-Zinder leidet an Wirbelgleiten, in ihrem Fall verschieben sich der vierte und fünfte Lendenwirbelkörper gegeneinander – dieser Abschnitt des unteren Rückens entpuppt sich bei besonders vielen Patienten als Schwachstelle. Zudem befeuert eine kombinierte Spinalkanalstenose Monikas chronische Rückenschmerzen. Die 74-Jährige steckte in einem Dilemma, das viele Leidensgenossen mit hartnäckigen Rückenbeschwerden kennen: „Einerseits wurden die Beschwerden und Bewegungseinschränkungen immer schlimmer, andererseits wollte ich eine Versteifungs-Operation möglichst vermeiden.“
Bei diesem großen, meist mehrstündigen Eingriff – in der Fachsprache Fusion oder Spondylodese genannt – werden instabile Abschnitte der Wirbelsäule mit Implantaten wie Schrauben oder Stäben verbunden. Bei der Suche nach einer schonenderen Alternative stieß die 74-Jährige auf Berichte über die Behandlung mit dem Wirbelsäulenkatheter – eine minimalinvasive Methode, die der erfahrene Münchner Wirbelsäulen-Spezialist Dr. Reinhard Schneiderhan seit Jahrzehnten anwendet. Der Wirbelsäulenkatheter ist ein nur 1,4 Millimeter dünner, steuerbarer Schlauch, der im Kreuzbeinbereich am unteren Rücken in den Spinalkanal eingeführt wird, während sich der Patient in einer leichten Dämmerschlafnarkose befindet. „Dann werden mehrfach Medikamente injiziert, die Gewebe schrumpfen lassen. Die betroffene Nervenwurzel wird dauerhaft befreit, der Schmerz verschwindet.“ Für die Behandlung bleibt der Katheterschlauch vorübergehend im Rücken, Monika Meindl-Zinder verbrachte zwei Nächte in der Arabellaklinik in München-Bogenhausen.
„Für mich war diese Entscheidung goldrichtig. Seitdem geht es mir viel besser. Meine Beschwerden sind um mindestens 80 Prozent zurückgegangen. An manchen Tagen bin ich sogar komplett schmerzfrei.“ Das empfindet die aktive Seniorin als Erlösung. Aus gutem Grund: Monika hat die ganze Welt gesehen, dabei war der bewegungshungrigen Münchnerin kein Weg zu weit. Mit ihrem Mann Hubert reiste die heute 74-Jährige in die Mongolei, in die Wüste Gobi und zum Tauchen in die Südsee. Bis ihr Rücken immer mehr rebellierte – die Folge einer Spinalkanalstenose. „Dabei verengt sich der Wirbelsäulenkanal, Nerven werden bedrängt und mitunter in ihrer Funktion beeinträchtigt“, weiß Schmerztherapeut Schneiderhan. „Wenn die Stenose in der Lendenwirbelsäule auftritt, können die Patienten meistens keine längeren Strecken mehr gehen. Dazu kommen oft große Schmerzen. Gleichzeitig nimmt aber der Bewegungsradius ab – und die Beschwerden werden noch schlimmer. Dadurch geraten viele Patienten in einen Teufelskreis, der sie auch psychisch belastet.“
Für Fernreise-Fan Monika Meindl-Zinder wurde letztlich selbst eine Donauschifffahrt von Passau nach Wien zum körperlichen Kraftakt – und ein Ausflug zur Hofburg zum Schlüsselerlebnis: „Ich konnte nur noch wenige Meter am Stück gehen, lief ganz gebückt und musste mich immer wieder hinsetzen. Meine Rückenschmerzen strahlten ins Bein aus, ich habe es kaum noch zurück zum Bus geschafft. Es war frustrierend.“
Wie viele ältere Menschen stand die 74-Jährige einer großen OP skeptisch gegenüber. Weil Nichtstun aber für sie auch keine Option war, sah sie den Wirbelsäulenkatheter als ermutigenden Plan B – trotz Bedenken in der eigenen Familie. Sie entschied sich bewusst dafür, nahm auch die Therapiekosten von rund 2000 Euro in Kauf, weil ihre Krankenkasse die Prozedur nicht bezahlte, ähnlich wie beispielsweise Eigenblutbehandlungen (PRP) oder Injektionen mit Hyaluronsäure. „Für mich hat sich diese Investition in meine Lebensqualität und Gesundheit gelohnt. Ich springe vielleicht nicht herum wie ein junges Reh, aber ich fühle mich um Lichtjahre besser als vor der Katheterbehandlung.“
Mit neuer Energie geht die 74-Jährige regelmäßig zur Physiotherapie, um ihre Rumpfmuskulatur aufzutrainieren. Und sie schmiedet wieder Pläne: „Mein Mann und ich wollen nach Japan fliegen. Ich traue mir eine solche Fernreise jetzt wieder zu, denke positiv. Das baut mich auf – auch im Alltag.“