Den Schmerz durch richtige Ernährung lindern

von Redaktion

Expertin empfiehlt drei Mahlzeiten täglich – Frühstück mit Eiern, Naturjoghurt oder Hülsenfrüchten liefert gleichmäßige Energie

Schokolade hat nach Erfahrung von Expertin Goldhammer-Michl selten Einfluss auf Migräne. © Oliver Berg/dpa

Der Ratgeber aus dem Humboldt-Verlag kostet 22 Euro.

Zum gesunden Frühstück gehören Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen, sie sorgen für längere Sättigung. © PantherMedia

München – Neben neuen Medikamenten rückt die Ernährung als Hilfe für Migräne-Patienten immer stärker in den Fokus. Denn immer mehr Studien bringen die Erkrankung mit einem gestörten Energiestoffwechsel oder einem zeitweisen Energiemangel im Gehirn in Verbindung. „Migräne ist nicht nur eine Frage der Gefäße oder der Schmerzverarbeitung“, sagt die Münchner Ernährungsberaterin Anne Goldhammer-Michl. „Das Gehirn ist ein Hochleistungsorgan – und es reagiert empfindlich, wenn ihm Energie fehlt oder sie nicht gleichmäßig zur Verfügung steht. Eine zentrale Rolle spielt dabei wohl die Stabilisierung des Energie- und Blutzuckerhaushalts. Man kann den Schmerz also sozusagen durch die richtige Ernährung besänftigen.“

Unser Gehirn verbraucht rund 20 Prozent der täglichen Energie. Es ist deshalb auf eine konstante Versorgung angewiesen. „Glukose, ein Einfachzucker, ist dabei unser Hauptenergielieferant“, erklärt die Expertin. „Funktioniert der Glukosestoffwechsel oder der Transport der Glukose in die Gehirnzellen nicht richtig, können wir zwar ausreichend essen – doch die Energie kommt nicht dort an, wo sie gebraucht wird.“ Die drastische Folge des Hungers im Gehirn: Die typischen Migränemechanismen wie Gefäßveränderungen, Entzündungen und Übererregung von Nervenzellen können so ausgelöst werden. Auch der Blutzuckerspiegel spielt eine wichtige Rolle. „Nach stark zuckerhaltigen Mahlzeiten steigt der Blutzucker rasch an. Fällt er anschließend schnell wieder ab, reagiert der Körper mit Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol“, so Goldhammer-Michl. „Ein schwankender Blutzucker bedeutet also inneren Stress – und Stress gehört zu den häufigsten Triggern für Migräne.“ Ferner kann das Auslassen von Mahlzeiten Attacken begünstigen: Längere Essenspausen provozieren ebenfalls eine Stressreaktion. Hinzu kommt: Arbeiten die Mitochondrien, die „Kraftwerke“ der Zellen, nicht optimal, kann ein Energiedefizit in den Nervenzellen entstehen. „Auch viele Kohlenhydrate, häufiges Essen oder auch Gluten können einen negativen Einfluss haben“, ergänzt Goldhammer-Michl.

„Ziel ist daher ein möglichst konstanter Blutzuckerspiegel und ein Stoffwechsel, der flexibel arbeiten kann“, so die Expertin. „Dabei geht es nicht um extreme Ernährungsformen oder starre Verbotslisten. Entscheidend sind Regelmäßigkeit und Nährstoffdichte.“ Sie empfiehlt drei Mahlzeiten täglich – möglichst ohne Snacks. Zudem sollten verarbeitete Lebensmittel mit Zusatzstoffen reduziert werden („Clean Eating“): „Besonders wichtig ist ein blutzuckerstabiles Frühstück mit ausreichend Eiweiß, gesunden Fetten und komplexen Kohlenhydraten. Eiweißquellen wie Eier, Naturjoghurt oder Hülsenfrüchte sorgen für längere Sättigung. Hochwertige Fette aus Nüssen oder Olivenöl liefern gleichmäßig Energie.“ Für das Mittag- und Abendessen gilt das Tellerprinzip: ein halber Teller buntes Gemüse, ein Viertel Teller Eiweiß wie Käse, Ei und ab und zu Fleisch, ein Viertel Teller komplexe Kohlenhydrate wie Linsen, Quinoa, Buchweizen, dazu noch gesunde Fette wie Nüsse und Olivenöl. Es ist eine gute Idee, vor der Pizza einen Salat zu essen.

Und was ist mit histaminhaltigen Lebensmitteln wie gereiftem Käse oder Schokolade? Goldhammer-Michl: „Aus meiner Erfahrung haben diese selten Einfluss auf Migräne. Hat man das Gefühl, dass bestimmte Lebensmittel die Migräne triggern, dann sollte man sie natürlich weglassen.“ Auch Mikronährstoffe spielen eine Rolle: „Studien zeigen, dass Vitamin D und hohe Omega-3-Werte positiv wirken können“, erklärt die Autorin. B-Vitamine sind wichtig für den Energiestoffwechsel, auch Magnesium ist an zahlreichen wichtigen Vorgängen im Körper beteiligt. Auch Alpha-Liponsäure, Coenzym Q10 sowie Kreatin zeigten in Untersuchungen positive Effekte.YVONNE WALBRUN

Artikel 2 von 5