Weniger Handy in drei Wochen

von Redaktion

Eine neue App namens Freii soll helfen, ein Übermaß an Bildschirmzeit von Kindern und Jugendlichen zu reduzieren. © Julia Steinbrecht, kna

„In meiner Kindheit war es die größte Strafe, wenn man allein aufs Zimmer musste. Heute ist die Frage: Wie kriegt man die Kinder dort wieder raus?“ Moderator und Arzt Eckart von Hirschhausen beschreibt ein Problem, das fast jede Familie kennt.

Rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland nutzen digitale Medien in riskantem Ausmaß. Das sind im Schnitt fünf bis sechs Schülerinnen und Schüler pro Klasse.

Die Folgen reichen von Schlafstörungen bis hin zu psychischen Belastungen. Für Abhilfe will die neue App „Freii“ sorgen, die mit Hirschhausens Unterstützung entwickelt wurde. Sie soll Familien in nur 21 Tagen dabei helfen, den Weg zu einem Leben ohne Bildschirmstress zu finden.

Was steckt hinter dem 3-Wochen-Kurs?

Eckart von Hirschhausen erklärt die ungewöhnliche Herangehensweise so: „Mit einer App vom Smartphone loskommen? Klingt schräg, aber genau das ist die Idee von Freii.“ Kids zwischen 11 und 15 Jahren begeben sich darin auf eine virtuelle Abenteuerreise. Täglich gibt es unterhaltsame und spannende Inhalte, die helfen, das eigene Verhalten zu reflektieren. Der Zeitaufwand ist mit drei bis sieben Minuten am Tag gering. Ziel ist es, wieder freie Zeit zu gewinnen, die man selbstbestimmt nutzen kann.

Warum richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an Eltern?

Die App richtet sich explizit nicht nur an Jugendliche, sondern auch an deren Eltern und Erziehende. Eckart von Hirschhausen betont: „Vorsicht, jetzt kommt eine ungeschönte Wahrheit: Es gibt jemanden, der für das Mediennutzungsverhalten Ihrer Kinder verantwortlich ist – und das sind Sie!“ Die beste Prävention seien Familien, die gemeinsam gut mit dem Thema umgehen. In einem eigenen Elternbereich der App bietet Hirschhausen deshalb Tipps und Impulse an, um den Medienalltag ohne Streit und Missverständnisse zu gestalten. Es geht darum, dass die gesamte Familie das Motto „Heute ist wieder Freiitag“ lebt und gemeinsam lernt, den Sog der Sozialen Medien zu durchbrechen.

Weshalb schreibt man „Freii“ mit zwei „i“?

Der Name der App ist Programm und symbolisiert die Philosophie dahinter. Hirschhausen löst das Rätsel auf: „Ich habe nachgefragt. Das war nicht meine Idee. Aber die beiden i sollen symbolisieren, dass sich da zwei Menschen gegenüberstehen und miteinander reden – und zwar auf Augenhöhe.“ Dieser partnerschaftliche Ansatz zieht sich durch das gesamte Projekt, das partizipativ mit Kindern, Eltern und Suchtexperten entwickelt wurde. Es geht nicht um Verbote von oben herab, sondern um Kommunikation und das gemeinsame Verständnis für die Mechanismen der digitalen Welt.

Wie dramatisch ist die Situation in Deutschland?

Die Zahlen, die das Projekt untermauern, sind alarmierend. 24,5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen nutzen laut Studien Social Media in riskantem Umfang – dazu kommen Spiele und Streamingdienste. Bei etwa 700.000 ist das Verhalten sogar pathologisch, was bedeutet, dass sie ohne Hilfe nicht mehr klarkommen. „Freii möchte dazu beitragen, dass sich bei Ihrem Kind ein gestörtes Mediennutzungsverhalten gar nicht erst entwickelt“, so Hirschhausen. Die App setzt präventiv an, bevor aus Gewohnheit eine echte Sucht mit körperlichen und seelischen Problemen wird.

Ist die Nutzung sicher und kostenlos?

Hinter der App steht gemeinsam mit der Münchner Beisheim Stiftung die Villa Schöpflin in Lörrach, ein gemeinnütziges Projekt zur Suchtprävention. Freii ist kostenlos, werbefrei und legt einen starken Fokus auf Datenschutz. Hirschhausen versichert: „Es werden gar keine Daten über Sie oder Ihr Kind gespeichert. Die Teilnahme ist und bleibt anonym.“ Die Registrierung erfolgt über freii.de oder in der App für iPhone und Android.

Gibt es bereits Belege für den Erfolg?

Eine Studie mit fast 3000 Teilnehmern zeigt die positive Wirkung. Bei Jugendlichen mit riskantem Verhalten stieg die Medienkompetenz deutlich. 66 Prozent der Kinder, die zuvor den Sinn von Familienregeln nicht verstanden haben, konnten diese nach dem Programm nachvollziehen. Die Abschlussquote der App lag mit 47 Prozent weit über vergleichbaren Werten. Das zeigt, dass der spielerische Ansatz die Familien motiviert, die 21 Tage tatsächlich durchzuziehen.

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