INTERVIEW

Nachsorge nach Gehirnschlag: Nicht aufgeben!

von Redaktion

Würselen – Nach Ende von Akutversorgung und Rehabilitation nach einem Schlaganfall haben viele Patienten das Gefühl, alleingelassen zu werden. Dabei kann auch Nachsorge noch sehr viel bewirken. Worauf Sie achten müssen, darüber sprachen wir mit Dr. phil. Dipl. Psychologe René Vohn, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP).

Was für Probleme haben Schlaganfallpatienten in den ersten Jahren danach?

Nach einem Schlaganfall können kognitive Defizite wie Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und Schwierigkeiten beim Planen von Handlungen auftreten. Auch Sprachstörungen, räumliche Wahrnehmungsprobleme und emotionale Veränderungen wie Depressionen oder Apathie sind häufige neuropsychologische Folgen. Viele Betroffene sind nach einem Schlaganfall schneller müde als früher, benötigen mehr Pausen und fühlen sich schneller überfordert.

Was raten Sie?

Die professionelle Unterstützung durch einen Neuropsychologen ist wichtig, um die Therapie genau auf die individuellen Schwierigkeiten zuzuschneiden. Weiterhin ist es aber auch wichtig, dem Gehirn Zeit zu geben, sich langsam wieder neu zu organisieren.

Was bewirkt eine neuropsychologische Therapie?

Aus neuropsychologischer Sicht können Schwierigkeiten mit dem Denken, der Erinnerung und der Konzentration durch gezielte Übungen verbessert werden. Auch Sprachschwierigkeiten, Probleme mit der Wahrnehmung oder Schwierigkeiten mit der Planung von Handlungen lassen sich im Regelfall gut behandeln. Die Therapie kann zudem helfen, emotionale Veränderungen, Depressionen oder Ängste zu bewältigen.

Was kann man selbst tun?

Besonders wichtig ist es, aktiv zu bleiben und regelmäßig zu üben, auch während der oft langen Wartezeit auf einen Termin beim Neuropsychologen. Hilfreich sind kleine Übungen im Alltag, zum Beispiel Lesen, Gespräche führen, Gedächtnisspiele oder einfache Planungsaufgaben wie Einkaufen oder Kochen. Bewegung und feste Tagesstrukturen unterstützen die Erholung. Wichtig ist, sich nicht zu überfordern. Angehörige können unterstützen, indem sie Geduld haben, ermutigen und gemeinsam üben. Dabei sollte man die betroffene Person möglichst selbst aktiv werden lassen und nicht alles abnehmen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen, kann helfen.

Wie finde ich einen Neuropsychologen?

Über den Hausarzt, die behandelnde Klinik oder die Behandlerliste der Gesellschaft für Neuropsychologie unter https://www.gnp.de/behandler.

INTERVIEW: SUSANNE SASSE

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