Zecken: FSME-Fälle steigen

von Redaktion

Zecken zählen biologisch zur Klasse der Spinnentiere. © dpa

Die Karte zeigt: Risikogebiete sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg.

Sprühen zum Schutz: Dieser Wanderer benutzt ein Anti-Zecken-Spray, das die Parasiten fernhalten soll. Damit die Wirkung anhält, öfters neu auftragen. © Smarterpix, Julia Lang, Sanitätsakademie der Bundeswehr

München – Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 709 gesicherte Fälle von FSME-Erkrankungen registriert, davon allein 294 in Bayern. Nur 2020 waren es mit 716 Fällen noch mehr. „Etwa 90 weitere Verdachtsfälle werden noch überprüft“, erklärt Prof. Gerhard Dobler, Leiter Nationales Konsiliarlabor für FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. „Falls diese sich bestätigen, ist 2025 ein Rekordjahr.“

Seit 2001 sind die Erkrankungen meldepflichtig, und seitdem steigen die Zahlen. Dobler: „Der Grund dafür ist nicht klar. Es gibt nicht mehr Zecken.“ Fest steht aber: „Nicht geimpfte Personen haben ein extrem hohes Risiko, an FSME zu erkranken.“ Eine Studie aus Passau habe gezeigt, „dass dort 30 Prozent, also fast jeder dritte nicht geimpfte Bewohner, eine FSME-Infektion durchgemacht haben.“

Die Gefahr von Zecken beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Frühjahr und Sommer. „Mit ihrem Stechrüssel können Zecken auch im Herbst und Winter stechen, wie etwa die Auwaldzecke.“ Das gefährliche Virus wird sofort übertragen. „Erste Symptome treten nach sieben bis 14 Tagen auf: Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Nackensteife, ähnlich wie bei einer Grippe.“ Bei zehn bis 30 Prozent der Erkrankten kommt es in einer zweiten Phase zu schweren Fällen, wie zu Hirnhaut- oder Rückenmarksentzündungen. „Das kann neurologische Schäden wie Lähmungen, aber auch tödliche Folgen haben.“ Männer erkranken etwa doppelt so häufig an FSME wie Frauen. Das Risiko für Komplikationen steigt mit zunehmendem Alter (über 50 Jahre) an.

Der beste Schutz ist nach wie vor die Impfung. „Wer sich nicht impfen lässt, nimmt das Risiko auf sich, lebenslang an psychischen oder körperlichen Schäden zu leiden“, so der Experte. „Die Spritze verursacht in der Regel kaum Nebenwirkungen.“ Für den Basisschutz sind drei Spritzen innerhalb eines Jahres nötig, Auffrischungen benötigt man nach drei bis fünf Jahren.

Dennoch sind die Impfquoten laut Robert-Koch-Institut (RKI) niedrig – insbesondere bei über 60-Jährigen. So betrugen diese 2024 lediglich 22,6 Prozent in Bayern und 17,2 Prozent in Baden-Württemberg, einem weiteren Risikogebiet neben dem Freistaat. Zuletzt hatte das RKI 185 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. Neu: Nordsachsen und Halle/Saale (siehe Karte).

Ein Blick in die Zukunft lässt Prof. Dobler einerseits hoffen: „Derzeit wird am Impfstoff für Borreliose, einer weiteren durch Zecken übertragenen Krankheit, geforscht. Er könnte 2028 auf den Markt kommen.“ Andererseits macht ihm die stetig steigende Anzahl der FSME-Fälle große Sorgen: „Wir müssen noch mehr impfen. Denn nur so können wir FSME irgendwann unter Kontrolle bringen.“

Artikel 6 von 8