Versierter Herzchirurg: Prof. Markus Krane vom Deutschen Herzzentrum München. © Foto: Astrid Schmidhuber
Professor Markus Krane bei einer Herz-Operation.
Fett ist nicht gleich fett: Es kommt auf die Verteilung an. © Smarterpix/KI
München – Dick ist nicht gleich dick. Menschen mit demselben Body-Mass-Index (BMI) können ein unterschiedlich hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten haben. Es kommt darauf an, wo genau am Körper die überflüssigen Pfunde sitzen. So ist Bauchfett gefährlicher als Übergewicht, das sich vor allem an den Hüften oder Oberschenkeln niederschlägt. Man unterscheidet zwei Arten von Bauchfett: zum einen subkutanes Fett, das direkt unter der Haut vor der Bauchmuskulatur liegt, zum anderen viszerales Fett. „Es umgibt die inneren Organe wie die Leber, den Darm oder die Bauchspeicheldrüse. Viszerales Fett ist sehr stoffwechselaktiv – das bedeutet in diesem Fall: Es produziert viele Hormone und entzündungsfördernde Stoffe. Dadurch kann eine Kettenreaktion in Gang kommen, die in Gefäßerkrankungen mündet – mit dramatischen Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall“, erklärt Prof. Markus Krane, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie im TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum.
Übergewicht allgemein ist eine häufige Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber speziell das Bauchfett spielt dabei gleich im doppelten Sinne eine Schlüsselrolle als Krankmacher. Fettzellen befeuern chronische Entzündungsprozesse, die wesentlich zur Entstehung von Atherosklerose beitragen. „Die Innenwände der Gefäße nehmen Schaden, wodurch auch der Herzmuskel zunehmend versteifen kann – Mediziner sprechen hier von diastolischer Dysfunktion“, so Krane. Viszerales Fettgewebe kann zudem unter anderem die Funktion der Leber massiv einschränken oder die Zellen der Bauchspeicheldrüse belasten, in der Insulin produziert wird. Die Entstehung eines Diabetes wird gefördert. Sogar das Herz selbst kann verfettet sein.
Eine große englische Studie mit 21.000 Teilnehmern bestätigte im vergangenen Jahr eindrucksvoll, dass insbesondere Bauchfett die Gefäße altern lässt. Anhand der im „European Heart Journal“ veröffentlichten Ergebnisse kristallisierte sich heraus, dass Fettansammlungen tief im Bauchraum, in der Leber und innerhalb der Muskulatur zu den stärksten Beschleunigern für diesen gefürchteten Zellalterungsprozess gehören. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass Fett an Hüften und Oberschenkeln bei Frauen vor der Menopause dieHerzalterung eher verlangsamt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Body-Mass-Index (BMI) allein wenig über das Herz-Kreislauf-Risiko durch Übergewicht aussagt, weil er die tatsächliche Fettverteilung ignoriert. „Deshalb ist es so wichtig, nicht nur das Gewicht, sondern vielmehr die Körperzusammensetzung im Blick zu haben. Moderne Waagen können zuverlässig Aussagen über die Fettgewebsverteilung im Körper machen“, rät Krane. Eine etwas einfachere Regel der Weltgesundheitsorganisation WHO besagt: Männer sollten einen Bauchumfang unter 102 Zentimetern anvisieren, Frauen unter 88 Zentimetern.
Mit Blick auf die Fettverteilung gibt es bei den Geschlechtern Unterschiede: Bei Frauen sitzen die Polster mehr direkt unter der Haut (subkutanes Bauchfett), zudem weisen sie meist mehr Fett in der Muskulatur auf. Dagegen tragen Männer in der Regel mehr Fett am Oberkörper mit sich herum.
Wer überschüssiges Bauchfett loswerden will, sollte seine Ernährung umstellen und regelmäßig trainieren. Studien zeigen, dass Krafttraining gut wirkt – insbesondere Einheiten mit moderater bis hoher Intensität. Solche Übungen etwa in Fitnessstudios an Geräten haben darüber hinaus den Effekt, dass die Muskulatur gestärkt wird. Das ist auch für Menschen wichtig, die Abnehmspritzen benutzen. Denn diese verringern zwar das Körpergewicht erheblich, zugleich verliert man aber ohne Training auch an Muskelmasse.
Man kann Bauchfett übrigens sogar im Schlaf loswerden – zumindest indirekt. Zu wenig Schlaf unter sechs Stunden fördert die Bildung von viszeralem Fett. Auch chronischer Stress kann auf die Figur gehen. Dadurch steigt der Cortisol-Spiegel. Das Stresshormon befeuert genauso wie regelmäßiger Alkoholkonsum die Bauchfettbildung.