MEIN KÜCHENGEHEIMNIS

Einsatzort: Küche

von Redaktion

Plausch in der Küche der Hauptfeuerwache.

Die Röstaromen der Knochen sorgen für viel Geschmack.

Riesige Töpfe: „Chuck“ setzt die Soße an.

Was gibt‘s zu essen? Ein Kollege schreibt es auf die Tafel.

Wasser marsch: Oberbrandmeister Philipp „Chuck“ Norys kocht in der Münchner Hauptfeuerwache für seine Kollegen. Diesmal gibt es Schweinebraten mit Soße. © Martin Hangen

Im Einsatz: Wer gerade Zeit hat, hilft in der Küche mit.

Punkt 12 Uhr ist Essensausgabe bei der Feuerwehr.

7 Uhr ist Dienstbeginn an der Hauptfeuerwache in München. 24 Stunden sind gut 40 Männer ab jetzt zusammen im Einsatz. Auf dem Gang im zweiten Stock hört man ein fröhliches „Heute wird ein guter Tag, denn es gibt Schweinebraten von Chuck.“ Die Vorfreude ist groß. Die Berufsfeuerwehr versorgt sich mittags selbst. Ein Kollege ist vormittags freigestellt, damit er das Essen zubereiten kann. Sein Einsatzort ist in den nächsten Stunden die Küche. Nachmittags muss er mit den anderen wieder ausrücken.

Philipp Norys, den alle hier nur Chuck nennen, steht seit Dienstbeginn am Herd. Sein erster Einsatz an diesem Tag: Er röstet Schweineknochen. „Die geben der Soße das Aroma“, sagt der Oberbrandmeister. Nicht für dieses Mal. Das würde zu lange dauern. „Ich bereite heute bereits für das nächste Essen einen Soßenansatz zu. Den friere ich ein.“

Die Schicht isst immer mittags zusammen. Punkt 12 Uhr – vorausgesetzt, es ist gerade kein Einsatz. In diesem Fall wird das Essen beiseitegestellt. Nicht jeden Tag gibt es solch ein Festessen wie heute. Doch Chuck war zu Hause in der fränkischen Heimat und hat Fleisch mitgebracht. „Den Metzger kenne ich. Ein Freund von mir.“ Jeder Koch ist für das Besorgen seiner Zutaten zuständig.

Was auf den Tisch kommt, bestimmt der Koch. Doch die Essgewohnheiten haben sich geändert. „Es gibt immer öfter auch vegetarische Gerichte“, sagt Chuck. Weil auch heute ein paar Vegetarier mit am Tisch sitzen, setzt Chuck auch ein Gemüsegulasch an.

Chucks Einsatzort ist in den nächsten Stunden die Küche. Der gebürtige Franke wollte ursprünglich Koch werden. Schrieb Bewerbungen, bekam aber keine Ausbildungsstelle in der Heimat. Weil er aber etwas Handwerkliches machen wollte, entschied er sich für eine Zimmerer-Lehre. Später ging er zur Berufsfeuerwehr. „Ein Traumberuf“, sagt er heute. „Nur wenn ich am Herd stehe, bedauere ich, dass ich das Kochen nicht richtig gelernt habe.“ Chuck kocht intuitiv – „aber manchmal wüsste ich schon gerne mehr übers Kochen“.

Die Kollegen lieben seine Kochkünste. Schweinebraten mit Soße, Kraut und Knödeln, ein Festtagsessen. Wenn Chuck kocht, herrscht viel Bewegung auf dem Gang: Immer mal wieder schaut ein Kollege zur Küche rein und fragt scheinheilig: „Gibt es schon was zu probieren?“ Ein anderer steht da und krempelt die Hemdsärmel hoch, hilft beim Knödeldrehen. Rund 100 sollen es werden. „Das schafft einer alleine gar nicht.“ Wenn‘s mit der Essensausgabe eng wird, ertönt in der Wache eine Durchsage: „Freie Kräfte zum Helfen in die Küche.“ Nur ein Essen, das Chuck seinen Münchner Kollegen nicht mehr vorsetzen darf: Karpfen. „Der kam gar nicht gut an.“

Kurz vor zwölf Uhr mittags herrscht dann am Gang dichtes Gedränge. Die Vorfreude ist groß. Insgesamt 15 Kilogramm Fleisch hat der Oberbrandmeister in den vergangenen Stunden im Ofen gebraten. Ausgerechnet jetzt geht die Sirene los. Ein Löschzug muss ausrücken. Das Festessen muss jetzt warten.

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