Fuß vor Amputation gerettet

von Redaktion

Dr. Ludwig Schwering (li.) und Dr. Vanni Tim Förster sind Orthopäden und Experten für rekonstruktive Fußchirurgie. © KKH

Sechs Wochen lang war das Bein von Friedrich Mühlenweg für die Therapie im sogenannten Fixateur (siehe unten). © privat

Patient Siegfried Mühlenweg ist froh, dass es Dr. Ludwig Schwering (M.) und Dr. Vanni Tim Förster gelungen ist, die drohende Amputation abzuwenden. © Hans-Helmut Herold

Schongau/Weilheim – Es war Anfang 2024, als sich eine Druckstelle am linken Großzeh von Siegfried Mühlenweg in eine nässende Wunde verwandelte. Zunächst war die Wunde fingernagelgroß, doch schloss sie sich nicht. Sie heilte über Wochen nicht ab, sondern vergrößerte sich. „Die Ursache stellte man dann in der Gefäßchirurgie fest: Mein Fuß wurde wegen Gefäßverengung nicht mit ausreichend Blut versorgt“, erzählt der 76-jährige Patient. Deshalb ließ er sich von Gefäßchirurgen operieren, die die Gefäße weiteten, damit mehr Blut im Fuß ankommt. Doch das reichte nicht – die Wunde verschlimmerte sich weiter und seine Ärzte sprachen von einem „frustranen Verlauf“. „Für mich war es nicht nur frustrierend, sondern die Wunde hat mir immer mehr Angst gemacht, da mir sogar die Amputation des gesamten Unterschenkels drohte“, erzählt Siegfried Mühlenweg. So war er gerne bereit, eine noch weitgehend unbekannte Methode auszuprobieren: die sogenannte Distraktionstherapie.

„Bei dieser Methode wird ein Knochen am Bein künstlich gebrochen, dann erst auseinandergezogen und wieder zusammengeschoben“, erklärt Dr. Ludwig Schwering (siehe unten). Der Leiter der Sektion für Kinder- und Behindertenorthopädie und Fußchirurgie am Krankenhaus Weilheim erläutert, dass durch das Auseinanderziehen des Knochens Wachstumsfaktoren im Blut aktiviert und neu gebildet werden. Dies führe dazu, dass die Regeneration von Wunden angeregt wird. „Dies passiert im ganzen Körper, und die Methode funktioniert bei jungen und mittelalten Menschen ebenso wie bei Senioren“, ergänzt sein Stellvertreter Dr. Vanni Tim Förster.

Die beiden Orthopäden schafften es, dass sich die große Wunde am Fuß ihres Patienten nach einem Jahr endlich schloss. „Die Prozedur ist sogar schmerzfrei“, sagt Siegfried Mühlenweg. Er litt nicht nur unter der Wunde, die sich nicht schloss, sondern auch unter einer Knochenentzündung, die durch die Wunde verursacht worden war. „Das sind häufige Folgen einer schweren Diabetes“, sagt Orthopäde Schwering. Deshalb sei es enorm wichtig, dass bei Durchblutungsstörungen in den Beinen verschiedene medizinische Fachrichtungen gemeinsam an der Behebung der Probleme arbeiten. „Man braucht Internisten beziehungsweise Diabetologen, die den Stoffwechsel und den Blutzucker des Patienten gut einstellen.“

Weiterhin seien bei Gefäßerkrankungen an den Extremitäten Gefäßchirurgen gefragt, um die Durchblutung zu verbessern. Orthopäden seien wichtig, um die Belastung der Füße zu optimieren, denn Fehlstellungen verstärken punktuellen Druck und dieser begünstigt Wunden. Übrigens kann schon eine Naht am Schuh bei Diabetikern zu einer Wunde führen, da sie oft unter Taubheit leiden und so die Schmerzen schlechter wahrnehmen. Bei Diabetikern sind tägliche Kontrollen der Füße, spezielle Fußpflege, passendes Schuhwerk und eine gute Blutzuckereinstellung entscheidend.

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