Der Fixateur zur Bewegung des Knochens. © Orthofix
Bei der Distraktionstherapie wird ein Rechteck aus dem Knochen gesägt und nach oben gezogen. © Dr. Schwering
Mit einem künstlich erzeugten Knochenbruch eine drohende Amputation eines Fußes verhindern – die Methode klingt ein wenig seltsam. Dies sagt auch Orthopäde Dr. Ludwig Schwering, der die Methode am Kreiskrankenhaus Weilheim und dem Gesundheitszentrum Schongau betreibt. Bei der Distraktionstherapie werden die Selbstheilungskräfte dadurch angeregt, dass der Körper versucht, einen künstlich erzeugten Bruch zu heilen. Denn dieser regt die Produktion von Wachstumsfaktoren an – und diese wirken nicht nur an der Stelle des Bruchs, sondern überall im Körper, erklärt Ludwig Schwering: „Im ganzen Körper nimmt auch messbar die Knochendichte zu.“
Der Experte erklärt die Behandlung, die insgesamt exakt sechs Wochen dauert: Mit einer Schablone wird zunächst am Schienbeinknochen ein kleines Rechteck vom Knochen ausgesägt, 6,5 mal 1,5 Zentimeter groß. Das Knochenplättchen wird mit Schrauben am Fixateur befestigt. Vier Wochen lang wird es nun täglich um 0,5 Millimeter hinausgezogen. Nach dieser Zeit steht der Knochen also 1,4 Zentimeter heraus. Dann wird der Knochenblock in zwei Wochen wieder hineingeschoben. Während der Behandlungszeit arbeitet der Körper auf Hochtouren – sodass sich eben auch hartnäckige Wunden an anderen Stellen als der des künstlichen Bruchs wieder gut schließen.
„Diese Therapiemethode bieten in Deutschland bislang nur wenige an, aber das Interesse steigt gerade massiv, auch wegen positiver Studienergebnisse aus China“, sagt Schwering und erzählt, dass die Methode in Russland schon seit 1978 praktiziert wird. „Studien zeigen, dass sie auch bei neurologischen Problemen hilft. Es gibt sogar Anhaltspunkte dafür, dass Schlaganfallfolgen verbessert werden können, da die Selbstheilung im ganzen Körper angeregt wird“, sagt Schwering. Der Orthopäde sieht in der Therapie viel Potenzial. Die Therapie muss allerdings von Experten durchgeführt werden, um Risiken zu minimieren.SUSANNE SASSE