Offene Küche: Vom Gastraum kann man zuschauen.
Gemüsesud abgießen für die Hollandaise.
Für das Ceviche: Zander fein aufschneiden.
Die Hollandaise vorsichtig aufschlagen.
Olimpia Cario kocht mit großer Leidenschaft. Im Schweinsbräu präsentiert sie Gerichte, die sie zurzeit auf der Karte stehen hat: Spargel mit Waldorfsalat, Ceviche und Schweinsbraten. © Oliver Bodmer
Glonn – Designerkleid und High-Heels. Ihr Outfit ist alles andere als gewöhnlich. Olimpia Cario ist eine Erscheinung, wenn sie im Herrmannsdorfer Schweinsbräu (Landkreis Ebersberg) am Herd steht. „So fühle ich mich am wohlsten“, sagt die Schweinsbräu-Chefin. Manche ihrer Stammgäste kämen eigens, „um zu schauen, welches Kleid ich heute wieder anhabe“, sagt die modebewusste Köchin mit einem Lachen. Nur wenn sie in München beim „Koch des Jahres“ antritt, muss sie die Kochjacke überziehen. Wegen der Sponsoren.
Es ist das erste Mal, dass sich Olimpia Cario einem solchen Wettbewerb stellt. Auch in den Sozialen Medien findet man sie nicht. „Normalerweise nicht mein Ding.“ Doch das Motto hat der 49-Jährigen gefallen: „Kindheitserinnerungen auf dem Teller“. Ihre größte Herausforderung: mit Kochjacke zu arbeiten. „Das ist für mich völlig ungewohnt.“ Und die Erwartungshaltung der Familie: „Wenn man mitmacht, muss man Erster werden.“ Denn der 2. Platz sei bereits der erste Verlierer-Platz. Insgesamt 430 Talente hatten sich im Vorfeld für den Wettbewerb angemeldet.
Seit 33 Jahren kocht Olimpia Cario. Eigentlich wollte sie Biologie und Chemie weiterstudieren, als sie mit ihrer Familie von Rumänien nach Deutschland zog. „Doch ich sprach damals kein Wort. Die Zeugnisse wurden nicht anerkannt.“ Ihre Notlösung: Quereinstieg in die Gastronomie. Sie kochte und bediente, bekam zwei Söhne. Irgendwann sagte ihre Chefin: „Du kannst niemals aufsteigen, weil du keine Ausbildung hast.“ Also machte die Köchin mit italienisch-rumänischen Wurzeln einen Schnelldurchlauf bei der Internationalen Handelskammer. Die Abschlüsse zur Köchin, zur Restaurantfachfrau und zur Ausbilderin schaffte sie mit Bravour – „ich konnte ja schon alles“, sagt sie mit großem Selbstbewusstsein. Das Urteil der Ausbilder damals: „Bester Kochabschluss seit zehn Jahren.“
Seit 2018 kocht die 49-Jährige im Herrmannsdorfer Schweinsbräu, seit zwei Jahren ist sie alleinverantwortliche Wirtin. Seit sie im oberbayerischen Glonn arbeitet, kocht sie ausschließlich alleine für bis zu 100 Gäste an einem Abend. Stress? „Mitnichten. Alles eine Frage der Organisation.“ Ihren Küchenstil nennt sie klassisch. „Ich koche so wie Mama. Mit Zutaten, die gerade zu haben sind, die Zubereitung immer immer frisch.“