Ein regelmäßiger Blick auf den Blutzucker ist auch im Hinblick auf Krebsrisiken empfehlenswert. © IMAGO
Bad Heilbrunn – Beim Typ-2-Diabetes besteht ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, weil das Stoffwechselmilieu dauerhaft gestört ist. Gleichzeitig leiden viele Betroffene an Übergewicht und chronischen, oft unbemerkten Entzündungen im Körper. „Dieses Zusammenspiel setzt die Darmzellen unter Stress, regt ihre Vermehrung an und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus zunächst gutartigen Veränderungen Krebs entwickelt“, erklärt Sebastian Bittner, Diabetesberater an der m&i Fachklinik Bad Heilbrunn.
Darmkrebs entsteht meist über Jahre aus gutartigen Vorstufen. Werden diese frühzeitig entdeckt, können sie bei einer Darmspiegelung direkt entfernt werden. Ein einfacher Einstieg in die Vorsorge ist der immunologische Stuhltest. Er weist verborgenes Blut im Stuhl nach und kann unkompliziert zu Hause durchgeführt werden, wird aber nur von etwa 10 bis 20 Prozent der Anspruchsberechtigten genutzt. Außerdem erkennt der Test nur etwa die Hälfte aller fortgeschrittenen Polypen und ersetzt die Darmspiegelung nicht, „die wiederum mindestens 95 Prozent der invasiven Karzinome und zwischen 75 und 93 Prozent der fortgeschrittenen Adenome detektiert“, gibt Dr. Maren Weiß, Gastroenterologin aus Berlin, zu bedenken.
Gerade für Menschen mit Typ-2-Diabetes sollte die Darmkrebsvorsorge fester Bestandteil des Behandlungsplans sein. Gesetzlich Versicherte haben ab 50 Jahren Anspruch auf eine Vorsorgekoloskopie. „Viele wissen jedoch nicht, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen früher Anspruch auf eine Darmspiegelung haben“, hat Weiß festgestellt. So übernehmen die Kassen für Menschen mit erhöhtem Gefährdungsprofil die Kosten bei Männern teilweise ab 40, bei Frauen ab 45 Jahren. Ferner reduziert eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte das Darmkrebsrisiko um etwa 28 Prozent.
Diabetesberater können gemeinsam mit den Patienten zusätzlich prüfen, wie hoch das individuelle Risiko ist, ob es familiäre Belastungen gibt und wie gut der Stoffwechsel eingestellt ist. Es ist wichtig, den erhöhten Blutzuckerspiegel etwa zwei Stunden nach dem Essen, Fettansammlungen im Bauchraum und eine unzureichende Ballaststoffzufuhr im Blick zu haben. „Darmkrebsprävention beginnt nicht erst bei der Vorsorgeuntersuchung, sondern im Alltag – durch eine konsequente Stoffwechselkontrolle und einen gesundheitsfördernden Lebensstil“, mahnt Bittner. Und macht Mut: Schon kleine Anpassungen bei der Ernährung (verarbeitetes, rotes Fleisch und Alkohol reduzieren), bei der Bewegung (150 Minuten pro Woche) und bei der Vorsorge können das Krebsrisiko aktiv senken.