Wer nicht zu jeder Mahlzeit übermäßig belastete Pilze zu sich nimmt, muss sich keine Sorgen machen. © imago
München – Die Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl vor 40 Jahren reichten bis nach Deutschland. Gibt es hierzulande noch immer erhöhte Strahlenwerte? Sind Sorgen bei bestimmten Lebensmitteln berechtigt?
Ist die Strahlenbelastung in Deutschland gefährlich?
Martin Steiner vom Radioökologie-Labor des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) gibt Entwarnung: In Deutschland sei die durch den Reaktorunfall verursachte zusätzliche Strahlenbelastung gering. Gesundheitliche Auswirkungen müssten nicht befürchtet werden. Die zusätzliche Strahlenbelastung hierzulande seit 1986 entspreche etwa der natürlichen Strahlenbelastung eines Jahres.
Wieso sind manche Teile Deutschlands stärker belastet?
Wichtig für die Verteilung der Radioaktivität war neben der Entfernung zum Ursprung hauptsächlich das Wetter – besonders Wind und Niederschlag. Zunächst sei wichtig gewesen, wohin die Wolke mit den radioaktiven Stoffen zog. Zudem spielte eine Rolle, ob die durch Regen auf und in Böden gespült wurden. Das passierte kurz nach dem Reaktorunfall vor allem im Süden Deutschlands. Daher haben sich in Gebieten südlich der Donau und im Bayerischen Wald mehr radioaktive Stoffe abgelagert als im Norden oder Osten.
Und was ist heute?
Im Wald befinden sich laut BfS auf den Mineralböden noch Schichten, in denen das Cäsium von Organismen wie Pilzen und Pflanzen leicht aufgenommen werden kann. Auch Tiere, die im Wald leben und sich von dortigen Pilzen und Pflanzen ernähren, seien belastet. Vor allem Wildschweine seien bis heute wegen ihres besonderen Essverhaltens betroffen.
Kann ich Pilze und Wild noch unbesorgt essen?
Eva Kabai, Leiterin des Radioökologie-Labors, überprüft regelmäßig mit Messungen die radioaktive Belastung von Lebensmitteln. Sie ist gelassen, wenn es um den Verzehr von Pilzen geht. Wer nicht zu jeder Mahlzeit übermäßig belastete Pilze oder Wild zu sich nehme, müsse sich eigentlich keine Sorgen machen, meint auch ihr Kollege Steiner. Zudem finde sich die erhöhte radioaktive Belastung nur in bestimmten selbst gesammelten beziehungsweise erlegten Lebensmitteln. Was im Supermarkt verkauft wird, unterliegt strengen Richtlinien. Die umfassten auch Grenzwerte für die radioaktive Belastung.