Bauchschmerzen: Das hilft im Alltag

von Redaktion

Schmerzhaft und belastend: Bauchkrämpfe können unterschiedliche Ursachen haben. Das Essen ist nur einer von vielen Gründen, wenn Schmerzen auftreten. © smarterpix

Das Buch von Dr. Ulrich Selz über unseren Darm.

München – Herz, Gehirn, Lunge: Diese Organe bekommen die meiste Aufmerksamkeit. Doch der Darm spielt für unsere körperliche und geistige Gesundheit eine mindestens genauso große Rolle. „Im Darm sitzen rund 100 Millionen Nervenzellen, also etwa so viele wie im Rückenmark“, erzählt Dr. Selz. Dazu kommen Billionen Mikroorganismen, die mitbestimmen, wie gut wir Nährstoffe aufnehmen, wie wir uns fühlen, wie leistungsfähig wir sind und wie stark unser Immunsystem ist. Tatsächlich befinden sich 70 bis 80 Prozent der Immunzellen im Darm – eine Art Grenzschutz unseres Körpers.

Gerät dieses komplexe System durcheinander, meldet sich der Körper, zum Beispiel mit Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Reizdarm, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Konzentrationsproblemen oder Hautirritationen. Viele Betroffene glauben, sie hätten nur etwas Falsches gegessen, wenn sie Probleme mit dem Bauch bekommen. Doch die Gründe können vielfältig sein. „Durchfall wird oft sofort auf Infektionen oder verdorbenes Essen geschoben“, sagt Selz. Tatsächlich können aber auch Medikamente, Veränderungen der Darmflora oder andere Erkrankungen dafür verantwortlich sein.

Selz berichtet von vielen Patienten, die nach fast jeder Mahlzeit Beschwerden haben. „Blähungen, Bauchschmerzen und ein unregelmäßiger Stuhlgang können das Leben massiv beeinträchtigen.“ Die Ursache liegt häufig darin, dass Bakterien im Dickdarm bestimmte Nahrungsbestandteile zu Gasen abbauen. Wenn zu viele Fäulniskeime im Dünndarm sitzen, spricht man von einer Dünndarm-Fehlbesiedelung (SIBO). Die entstehenden Gase drücken im Bauch nach oben und können sogar Reflux oder Herzbeschwerden auslösen.

Für den Alltag hat der Experte konkrete Tipps:

Auf die Darmflora achten: Ist die Verdauung gestört, kann es helfen, die Darmflora gezielt zu unterstützen, zum Beispiel mit Ballaststoffen oder probiotischen Lebensmitteln. Probiotika sind nicht für jeden sinnvoll und sollten möglichst individuell gewählt werden.

Den gereizten Darm nicht überfordern: Sehr ballaststoffreiche oder schwer verdauliche Lebensmittel können empfindliche Därme überfordern. Kochen oder Dünsten macht viele Gemüsesorten deutlich bekömmlicher.

Zucker und Alkohol reduzieren: Zu viel Zucker, Weißmehl oder Alkohol kann das Gleichgewicht im Darm stören.

Extreme Detox-Kuren meiden: Radikale „Darmreinigungen“ aus dem Internet bringen meist nichts – im Gegenteil: Sie können das Mikrobiom sogar schädigen.

„Der Darm-Doc“ ist bei Rowohlt erschienen und kostet 20 Euro.

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