Übergewicht kann mit dem Hormonsystem zusammenhängen. © Lino Mirgeler/dpa
Altdorf – Viele weitverbreitete Erkrankungen haben eine gemeinsame Ursache: das Hormonsystem. Dazu zählen Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Osteoporose oder Adipositas. Dennoch bleibt die Rolle der Hormone oft im Hintergrund. Hormone steuern als Botenstoffe zentrale Prozesse im Körper. Sie regulieren unter anderem den Stoffwechsel, den Energieverbrauch, das Wachstum und den Knochenaufbau. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, können häufige Erkrankungen entstehen. So spielt das Hormon Insulin eine Schlüsselrolle bei Diabetes. Schilddrüsenhormone beeinflussen den gesamten Stoffwechsel. Und auch bei Osteoporose oder starkem Übergewicht sind hormonelle Faktoren entscheidend beteiligt. „Zudem gibt es mehr als 400 seltene Erkrankungen, die das Hormonsystem betreffen und für die eine frühe Abklärung essenziell ist“, erklärt Privatdozentin Dr. Birgit Harbeck, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie aus Kiel.
Umweltfaktoren haben Einfluss auf Botenstoffe
Neben Erkrankungen können auch Umweltfaktoren das Hormonsystem beeinflussen. Eine wichtige Rolle spielen dabei endokrine Disruptoren. Hier handelt es sich um chemische Substanzen, die die Wirkung von Hormonen (Botenstoffe) stören können. Sie finden sich zum Beispiel in Kunststoffen, Kosmetika, Lebensmitteln oder Trinkwasser. „Endokrine Disruptoren können schon in kleinen Mengen die körpereigenen Hormonsignale verändern. Das kann sich auf Wachstum, Entwicklung und Fruchtbarkeit auswirken“, so Harbeck. „Eine fundierte Diagnostik und individuell abgestimmte Therapie sind entscheidend, um hormonelle Erkrankungen früh zu erkennen und wirksam zu behandeln“, fasst die Expertin zusammen.
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie betont, dass endokrinologische Expertise eine zentrale Rolle spielt, und gibt folgende Tipps für die Hormongesundheit: regelmäßige körperliche Aktivität (1,5 bis 2,5 Stunden pro Woche); Ernährung mit frischem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten; mindestens sieben Stunden ununterbrochener Schlaf pro Nacht; da chemische Substanzen die Wirkung von Hormonen stören können, Plastikverpackungen vermeiden, stattdessen Edelstahl oder Glas nutzen; regelmäßig lüften, wischen und saugen – denn auch Hausstaub kann mit hormonaktiven Substanzen belastet sein; auf Kosmetika verzichten, die Phthalate, Parabene oder Triclosan enthalten; körperliche Warnsignale wie Gewichtsschwankungen, Müdigkeit oder Stimmungstief ernst nehmen und frühzeitig ärztlichen Rat einholen.