Gefährliche Mückenstiche

von Redaktion

Die Plagegeister übertragen gefährliche Viren. © Smarterpix

Sehr lästig: Mit dem Beginn der wunderschön warmen Tage startet jetzt leider auch die Mückensaison. © Smarterpix

Von welchen Stechmückenarten geht aktuell eine Gefahr aus?

Im Fokus stehen derzeit vor allem zwei invasive Arten: die Asiatische Tigermücke, die sich bereits in mehreren Bundesländern – auch in Bayern – angesiedelt hat, sowie die Asiatische Buschmücke. Die Tigermücke ist besonders relevant, da sie Viren wie Dengue, Chikungunya oder Zika übertragen kann. Sie ist kleiner als heimische Stechmücken (meist 5–7 mm) und an ihrem schwarz-weißen Streifenmuster gut zu erkennen. Anders als viele heimische Arten ist sie sehr aggressiv und auch tagsüber aktiv. Die Asiatische Buschmücke, die bereits seit über einem Jahrzehnt in Deutschland vorkommt, gilt jedoch als weniger aggressiv und ist deshalb nicht ganz so problematisch. Auch die heimische Gemeine Hausmücke spielt eine große Rolle. Sie kann das West-Nil-Virus übertragen, das seit einigen Jahren auch in Deutschland zirkuliert.

Warum breiten sich die neuen Mückenarten so rasant aus?

Ein wichtiger Faktor ist der Klimawandel: Mildere Winter und längere, warme Sommer verbessern die Überlebenschancen der Eier und fördern die Vermehrung. Zudem sind die Tiere äußerst anpassungsfähig – kleinste Wasseransammlungen, etwa in Blumentopf-Untersetzern, reichen ihnen zur Fortpflanzung. Hinzu kommt die Globalisierung, denn die Mückeneier werden auch über eingeführte Waren oder den Reiseverkehr eingeschleppt.

Welche Krankheiten können übertragen werden?

Den einen oder anderen Mückenstich kann man im Sommer kaum vermeiden. Das Risiko einer Infektion ist aktuell jedoch noch gering. Derzeit ist vor allem das West-Nil-Fieber relevant. Seit 2019 gibt es immer wieder Infektionen. Dengue- oder Chikungunya-Infektionen sind hier bisher nicht aufgetreten. Aber Experten gehen davon aus, dass sich das bald ändern wird. Ausbrüche in Ländern wie Italien oder Frankreich zeigen das potenzielle Risiko. Die Frage ist daher weniger, ob, sondern wann solche Infektionen auch in Deutschland auftreten.

Wie merkt man, dass es mehr als ein normaler Stich ist?

Erst mal gar nicht. Jeder Mückenstich verursacht eine lokale Rötung, Schwellung und Juckreiz. Treten jedoch einige Tage nach dem Stich Symptome wie Fieber, starke Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit oder Hautausschlag auf, kann das auf eine Infektion hindeuten. Bei anhaltendem Fieber, neurologischen Beschwerden oder Blutungen sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden, insbesondere nach Reisen in Risikogebiete.

Wie unterscheiden sich die Krankheiten?

Sie beginnen meist ähnlich: mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und starkem Krankheitsgefühl. Beim West-Nil-Fieber bleiben rund 80 Prozent der Infektionen sogar symptomlos. Der Rest der Betroffenen entwickelt eine fieberhafte Erkrankung mit Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen. Dengue verursacht typischerweise hohes Fieber, starke Muskel- und Gelenkschmerzen und häufig einen Hautausschlag. In schweren Fällen kann es zu Komplikationen wie Kreislaufproblemen oder Blutungen kommen, die meist im Krankenhaus behandelt werden müssen. Chikungunya verursacht ebenfalls Fieber und die typischen, teils lang anhaltenden Gelenkbeschwerden, auch mit Schwellungen, die bei einem Teil der Betroffenen chronisch werden und Monate bis Jahre andauern können. Zika verläuft zumeist mild mit eher leichten grippalen Beschwerden, Ausschlag und Bindehautentzündung. Problematisch ist eine Infektion vor allem in der Schwangerschaft, da sie Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen kann.

Wer ist besonders gefährdet?

Gesunde Menschen haben in der Regel ein geringes Risiko für schwere Verläufe. Dennoch können Dengue und Chikungunya so schwer verlaufen, dass ein Krankenhausaufenthalt nötig wird. Gefährdeter sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Immungeschwächte und Schwangere. Beim West-Nil-Virus steigt insbesondere das Risiko für neurologische Komplikationen mit dem Alter.

Wie erfolgt die Diagnose?

Je nach Krankheitsphase erfolgt der Nachweis entweder direkt per PCR (Polymerase-Kettenreaktion) oder über Antikörper im Blut. Wichtig ist zudem die Anamnese, also Hinweise auf Mückenstiche oder Reisen in Risikogebiete.

Gibt es wirksame Therapien oder Impfungen?

Gegen Viruserkrankungen gibt es keine spezifische Therapie. Es können nur die Symptome behandelt werden. Umso wichtiger ist die Vorbeugung. Eine Erkrankung, die ich nicht behandeln kann, bekomme ich besser gar nicht. Impfungen gegen Dengue und Chikungunya gibt es zwar, sie spielen aber vor allem für Reisende in Risikogebiete eine Rolle.

Welchen Schutz gibt es?

Der beste Schutz ist, Stiche zu vermeiden. Abwehrmittel mit Wirkstoffen wie etwa Icaridin oder DEET, lange Kleidung und – wenn möglich – imprägnierte Stoffe helfen effektiv. Wichtig ist, sich nicht nur abends, sondern sich auch tagsüber zu schützen.

Welche Hausmittel helfen?

Da gibt es viele, aber fast nichts funktioniert. Weder Knoblauch noch Vitamin-B-Präparate, Armbänder oder i Apps, die vor den Mücken schützen sollen, bieten einen verlässlichen Schutz. Für keine dieser Maßnahmen gibt es wissenschaftliche Belege.

Was sollten Reisende beachten?

Wer aus tropischen oder auch aus subtropischen Regionen zurückkehrt und innerhalb von zwei Wochen Fieber entwickelt, sollte unbedingt zum Arzt gehen und auf die Reise hinweisen. Wichtig ist auch: Infizierte können nach der Rückkehr noch Viren im Blut tragen. Wird eine solche Person von einer geeigneten Mücke gestochen, kann das Virus weiterverbreitet werden.

Daher empfiehlt sich nach Aufenthalten in Risikogebieten – insbesondere bei Beschwerden – für einige Tage ein konsequenter Mückenschutz auch in Deutschland.

INTERVIEW: YVONNE WALBRUN

Artikel 6 von 8