Kindernotfälle: Jede Minute zählt

von Redaktion

Ein Sturz kann zu mehr Verletzungen führen als denen, die offensichtlich zu erkennen sind. Deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen. © Smarterpix

München – In ihrem Buch erklärt die Expertin für Kindernotfälle verständlich und praxisnah, wie Eltern Notfälle erkennen und was im Ernstfall zu tun ist. Denn eines ist klar: Wer gut vorbereitet ist, kann Leben retten. Für unsere Leser hat die Expertin die wichtigsten Kindernotfälle zusammengestellt und erklärt, wie Eltern richtig reagieren.

Zudem verrät sie, was in eine gut ausgestattete Hausapotheke einer Familie gehört (siehe Kasten).

Die wichtigsten Kindernotfälle und wie Eltern richtig reagieren Was tun, wenn …

■ 1. … mein Kind plötzlich keine Luft bekommt?

Ruhe bewahren, den Notruf (112) wählen und dann sofort handeln.

Prüfen Sie, ob ein Fremdkörper die Atemwege blockiert. Kleine Kinder stecken vieles in den Mund und verschlucken sich dabei schnell.

Bei ineffektivem Husten in allen Altersgruppen zunächst fünf Schläge zwischen die Schulterblätter in Kopftieflage verabreichen, im Wechsel mit Brustkompressionen (Säugling) bzw. Bauchkompressionen (Kinder älter als 1. Lebensjahr), um den Fremdkörper herauszubekommen.

Falls das Kind schlaff und reglos wird, Beginn mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Dabei sehr wichtig: Luft muss in die Lunge!

■ 2. … mein Kind hohes Fieber bekommt?

Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Symptom und zunächst einmal eine normale Abwehrreaktion des Körpers. Durch die erhöhte Körpertemperatur werden Erreger rascher abgetötet und die Wirkung von Antibiotika verbessert.

Entscheidend ist bei der Beurteilung nicht die Höhe des Fiebers, sondern der Allgemeinzustand des Kindes . Wie wirkt das Kind? Trinkt es noch? Reagiert es normal? Sind Kreislauf und Atmung in Ordnung, oder ist es schlapp, apathisch, hat Atem- oder Kreislaufprobleme und wirkt „anders als sonst“?

Dann sollte unbedingt schnell ein Arzt hinzugezogen werden.

■ 3. … mein Kind etwas Gefährliches verschluckt hat?

Gerade Kleinkinder erkunden ihre Welt mit dem Mund. „Alles, was sie erwischen, wird erst einmal probiert“, erklärt Rieth. Vieles bekommen wir gar nicht mit und entdecken die Gegenstände wie Murmeln, Legosteinchen oder Geldstücke Tage später in der Windel.

Es ist wichtig, dass bei auffälligem Verhalten wie Schmerzen, Husten, Würgen oder Atemproblemen dran gedacht und rechtzeitig Hilfe geholt wird. „Wenn es eine Knopfzellbatterie oder mehrere Magnete verschluckt hat, sollten Sie sofort einen Notruf absetzen“, warnt Dr. Rieth.

■ 4. … mein Kind sich schwer verletzt hat?

Bei starken Blutungen gilt: Kompression (Druckverband, Tamponade), Hochlagerung, Ruhe und rasch den Notruf (112) absetzen. Kinder kommen bei Blut- bzw. Volumenverlust übrigens doppelt so schnell wie Erwachsene in einen Schockzustand, zeigen dabei aber keine erwachsenentypischen Warnsignale. Sie werden stiller, ziehen sich zurück, legen sich freiwillig hin, werden plötzlich sehr blass, entwickeln einen schnellen Herzschlag und können bewusstlos werden.

Bei Nasenbluten gilt: Kopf nach vorne, keine Taschentuchfetzen oder Wattepads in die Nase stecken, sondern Nasenflügel auf beiden Seiten für drei Minuten zusammendrücken, etwas Kaltes in den Nacken legen, Spucke durch den Mund herauslaufen lassen (da verschlucktes Blut Brechreiz auslöst) und ruhig zureden. Meist hört es dann rasch von alleine auf.

■ 5. … mein Kind plötzlich krampft?

Ein Krampfanfall wirkt auf Eltern oft dramatisch. In vielen Fällen hört er jedoch nach zwei bis drei Minuten wieder von selbst auf. Wichtig ist vor allem, ruhig zu bleiben, den Notruf zu tätigen und das Kind vor Verletzungen zu schützen.

Falls bereits ein Notfallmedikament zu Hause vorhanden ist, sollte dieses verabreicht werden. Sobald der Krampf vorüber ist, legen Sie das Kind möglichst auf die Seite oder in Bauchlage, sodass der Kopf der tiefste Punkt ist und Speichel oder Erbrochenes abfließen können.

Stecken Sie auf keinen Fall Finger in den Mund. Das Kind kann während des Anfalls die Kaumuskulatur nicht kontrollieren und könnte Sie verletzen oder sich verschlucken. Außerdem sollten Eltern sich merken, wie lange der Krampf dauert und wie er aussieht, denn diese Informationen sind später für Ärzte wichtig.

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