Klarheit im Kräuter-Chaos

von Redaktion

Acker-Schachtelhalm (links) und Sumpf-Schachtelhalm.

Die grünen Blätter von Huflattich, Weiße Pestwurz und Rote Pestwurz schauen fast gleich aus.

Ähnliche Blätter, verschiedene Blüten: Huflattich, Weiße Pestwurz und Rote Pestwurz. © Tami von Seyr/Edition Raetia (3)

In ihrem Buch „Kräuter-Zwillinge: Wie du ähnliche Pflanzen idiotensicher unterscheiden kannst“ erklärt Tami von Seyr auf 208 Seiten die Unterschiede von 66 Pflanzen.

Drei ähnliche Pflanzen (v. li.): Kanadische Goldrute, Echte Goldrute, Gewöhnliches Greiskraut.

Vorsicht! Der schmackhafte Wiesen-Kerbel (links) und die giftige Hundspetersilie kann man leicht verwechseln.

Kräuterexpertin Tami von Seyr hat für Sie, liebe Leser, Tipps zum Kräutersammeln zusammengestellt. © SILBERSALZ.photo

München – Jetzt im Frühling sprießt es überall: frisches Grün im Wald, junge Triebe auf Wiesen, zarte Blätter am Wegesrand. Viele Menschen zieht es hinaus, um Wildkräuter zu sammeln – für die Küche oder die Hausapotheke. Doch was harmlos aussieht, kann gefährlich werden. Denn zahlreiche Pflanzen ähneln sich so stark, dass selbst erfahrene Sammler ins Zweifeln geraten. Das neue Buch „Kräuter-Zwillinge“ von Heilpraktikerin und Kräuterexpertin Tami von Seyr zeigt, wie groß die Verwechslungsgefahr tatsächlich ist und wie man sie vermeidet.

Wie Sie Verwechslungen vermeiden: Die Autorin führt durch die Welt der pflanzlichen Doppelgänger und erklärt anschaulich, worauf es bei der sicheren Bestimmung ankommt. Ihr zentrales Fazit: „In der Welt der Wildkräuter gibt es etliche Pflanzen, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen.“ Gerade im Frühling, wenn viele Pflanzen noch jung sind und sich in Form und Farbe ähneln, ist Vorsicht besonders wichtig. Wer sammeln will, sollte nicht nur wissen, was hilft – sondern vor allem, was gefährlich werden kann. Für unsere Leser hat sie ein paar besonders häufige und zugleich gefährliche Verwechslungen zusammengestellt:

Bärlauch oder Maiglöckchen?
Der Klassiker – und jedes Jahr Ursache für Vergiftungen. Beide wachsen im Frühling oft direkt nebeneinander.
Unterschied: Bärlauch hat einzelne Blätter mit eigenem Stiel und einen intensiven Knoblauchgeruch. Bei Maiglöckchen hingegen sind es mehrere Blätter an einem Stängel, sie haben kaum Geruch.
Die Gefahr: Das Maiglöckchen ist hochgiftig. „Der Verzehr jeglicher Pflanzenteile … kann zu schweren Vergiftungen führen“, erklärt Tami von Seyr. Die Symptome reichen von Übelkeit und Erbrechen bis zu Herzrhythmusstörungen und Herzstillstand.

Wiesen-Kerbel oder Hundspetersilie?
Beide haben zarte weiße Blüten und filigrane Blätter.
Unterschied: Wiesen-Kerbel riecht angenehm würzig, Hundspetersilie riecht unangenehm scharf.
Die Gefahr: Die Hundspetersilie ist stark giftig und kann Krämpfe, Atemnot und schwere Vergiftungen auslösen.

Gelber Enzian oder Weißer Germer?
Die beiden Pflanzen sind vor allem in Bergregionen relevant und tückisch ähnlich.
Unterschied: Beim Enzian stehen die Blätter paarweise gegenüber, beim Germer wachsen sie versetzt am Stängel.
Die Gefahr: Der Weiße Germer enthält hochgiftige Alkaloide. Schon kleine Mengen können lebensgefährlich sein.

Huflattich oder Pestwurz?
Im Frühjahr erscheinen bei beiden oft zuerst die Blüten – die Blätter kommen später. Genau das kann für Verwirrung sorgen. Hier wäre eine Verwechslung nicht so fatal: Beide Pflanzen werden traditionell medizinisch genutzt, vor allem bei Atemwegserkrankungen.
Unterschied: Huflattich hat kleinere, herz- oder nierenförmige Blätter (10–20 cm), ihre Unterseite ist behaart. Beim Pestwurz dagegen sind die Blätter deutlich größer und voluminöser (bis 50 cm) und insgesamt kräftiger.
Die Gefahr: Beide Pflanzen enthalten sogenannte Pyrrolizidinalkaloide, die in höheren Dosen leberschädigend wirken können. Deshalb gilt: nur gezielt und nicht dauerhaft anwenden.

Acker-Schachtelhalm oder Sumpf-Schachtelhalm?
Zwei Pflanzen, die sich sehr ähnlich sehen, aber völlig unterschiedlich bewertet werden.
Unterschiede: Der Acker-Schachtelhalm hat dünnere Triebe und wächst auf eher trockenen Böden. Der Sumpf-Schachtelhalm ist kräftiger und wächst in feuchten bis nassen Gebieten.
Die Gefahr: Der Acker-Schachtelhalm gilt als klassische Heilpflanze – etwa zur Stärkung von Bindegewebe oder bei Harnwegsproblemen. Der Sumpf-Schachtelhalm hingegen enthält giftige Alkaloide und ist für den medizinischen Gebrauch ungeeignet.

Goldrute oder Greiskraut?
Beide haben gelbe Blüten und eine ähnliche Wuchsform – doch ist das Geiskraut mit seinen kleinen Blüten unscheinbarer aufgebaut.
Die Gefahr: Während Goldruten traditionell bei Harnwegsinfekten und Entzündungen eingesetzt werden, ist das Gewöhnliche Greiskraut giftig. Es enthält Stoffe, die zu Leberschäden führen können.

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