Stecker-Revolution in der EU

von Redaktion

USB-C: Auf diese Sticker kommt es an. © L. Chernetska

Wer gern am Laptop arbeitet, hat nun ein Problem weniger. Die Geräte müssen künftig mit einheitlichen Ladekabeln funktionieren. © Freepik

Was bei Smartphones und Tablets längst Standard ist, gilt nun auch für mobile Rechner. Das Ziel ist klar: weniger Elektroschrott und mehr Freiheit für Verbraucher. Doch Vorsicht: Nur weil das Kabel passt, fließt noch lange nicht genug Strom. Wir verraten, worauf Käufer und Nutzer jetzt achten müssen.

Was ändert sich konkret?

Alle neuen Laptops bis 240 Watt Leistungsaufnahme müssen sich per USB-C laden lassen. Das betrifft praktisch jeden Rechner, von extrem starken Spiele-PCs mal abgesehen. Hersteller sind verpflichtet, Notebooks auch ohne Ladegerät anzubieten. Ein Piktogramm auf der Verpackung zeigt künftig an, ob ein Netzteil beiliegt und welche Leistung zum Schnellladen erforderlich ist. So kann man entscheiden, ob man ein vorhandenes Netzteil weiter nutzen oder ein neues kaufen will.

Was ist „Power Delivery“?

Die Bezeichnung PD („Stromversorgung“) wird nun besonders wichtig. Dabei geht es um den Standard, mit dem Netzteil und Rechner miteinander kommunizieren. Sie handeln quasi die optimale Spannung zum Laden aus, was Überhitzung verhindert. Erkennbar ist PD meist an einem kleinen Logo auf dem Netzteil (ein Blitz oder die Aufschrift „PD“) oder in der Produktbeschreibung. Fehlt der Hinweis, handelt es sich oft um ein einfaches Ladegerät, das für Laptops zu schwach ist. Ein modernes USB-PD-Netzteil lässt sich universell nutzen. Es erkennt automatisch, ob ein Smartphone (etwa 20 Watt) oder ein Laptop (zum Beispiel 65 Watt) dranhängt. Man kann also problemlos das gleiche Ladegerät für fast alle mobilen Geräte verwenden.

Wie viel Watt Ladeleistung braucht ein aktueller Laptop?

Ein einfacheres Bürogerät benötigt im Schnitt 45 bis 65 Watt, während Rechner mit starker Grafikkarte oder Spiele-Laptops für schnelles Laden 80 bis 130 Watt oder noch mehr fordern. Ein Stecker kann dabei nie „zu stark“ sein, weil die Elektronik die Zufuhr regelt.

Was ist die neue GaN-Technik?

Netzteile mit Galliumnitrid (GaN) ersetzen mehr und mehr klassisches Silizium. Das Material leitet effizienter und erzeugt weniger Wärme. Dadurch schrumpfen die Gehäuse bei gleicher Leistung massiv. Teilweise sind sie nur noch halb so groß. Und die Technik ist oft deutlich günstiger als das Original-Zubehör der Laptop-Hersteller. Ein 65 Watt starkes GaN-Netzteil der China-Topmarke Anker gibt es schon um die 35 Euro – während Apple für einen vergleichbaren und deutlich größeren Stecker 65 Euro verlangt. Einschränkungen oder Nachteile bei der Nutzung gibt es dabei keine.

Worauf kommt es beim Kabel an?

Die „Strippe“ ist oft das Nadelöhr. Standardkabel schaffen meist nur 60 Watt. Wer einen Laptop mit 100 Watt oder mehr laden will, benötigt ein dafür zertifiziertes Kabel mit integriertem „E-Marker“-Chip. Dieser signalisiert dem System, dass die hohe Last sicher übertragen werden kann. Ohne diesen Chip drosselt das Netzteil die Leistung aus Sicherheitsgründen automatisch auf ein Minimum. Die Tipps zu Steckern und Kabeln betreffen übrigens auch bestehende Altgeräte, die mit aktuellem Zubehör gut und gern doppelt so schnell laden wie bisher.

Wie ist die Lage beim MacBook Neo?

Apples neuer Günstig-Laptop verzichtet auf den magnetischen MagSafe-Anschluss der teureren MacBooks und lädt nur per USB-C. Aufgrund der EU-Regeln liegt kein Netzteil bei. Ein teurer Apple-Stecker ist dabei unnötig. Weil das Neo mit maximal 30 bis 35 Watt lädt, erledigt jedes kompakte 45-Watt-PD-Netzteil von Drittanbietern den Job genauso schnell und spart Platz im Reisegepäck.

Was ändert die EU als nächstes?

Ab 31. Juli verpflichtet das „Right to Repair“ (Recht auf Reparatur) Smartphone-Hersteller dazu, Ersatzteile und Werkzeuge zu fairen Preisen bereitzustellen – auch nach der Garantiezeit. Neue Energieklassen bewerten zudem die Reparaturfreundlichkeit. Angesichts hoher Neupreise und wachsendem Umweltbewusstsein könnte das Nutzerverhalten kippen: Reparieren wird deutlich wichtiger, das Zeitalter der Wegwerf-Elektronik endet. Experten prognostizieren der Branche bis 2035 eine Verdopplung des Marktvolumens.

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