Gerettet: Herzinfarkt-Patient Hubert Albrecht (Mitte) mit Prof. Markus Krane (links) und Prof. Bernhard Voss im Herzzentrum. © Foto: TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum
Tödliche Gefahr: Jedes Jahr sterben mehr als 43.000 Patienten an einem akuten Herzinfarkt. 65.000 Menschen sterben am plötzlichen Herztod. © Foto: Smarterpix
Einfach mal Blutdruck messen lassen: Vier Millionen Deutsche wissen nichts von ihrer Hypertonie. © Foto: Smarterpix
München – Ein schwerer Herzinfarkt, gefühlt wie aus heiterem Himmel: Hubert Albrecht (62) hat die Hölle durchlebt, der Familienvater ist nur mit ganz viel Glück und Können der Ärzte dem Tod von der Schippe gesprungen. Seine Geschichte (wir berichteten) stimmt viele Leser nachdenklich: Wie gesund ist mein Herz wirklich? „Nur weil man sich fit fühlt, hat man leider keine Gesundheits-Garantie“, warnt Professor Markus Krane. In unserer Zeitung erklärt der Herzspezialist, worauf es bei der Vorsorge für Herz und Gefäße ankommt.
„Viele kardiovaskuläre Erkrankungen entwickeln sich schleichend und lange symptomlos“, sagt Krane, der die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum leitet. Dort wurde auch Albrecht operiert, bekam Bypässe – Umleitungen für seine verengten Herzkranzgefäße aus körpereigenen Arterien, die vor und hinter Engstellen angenäht werden. Albrecht leidet an Bluthochdruck.
Fast die Hälfte aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen lässt sich auf nur fünf beeinflussbare Faktoren zurückführen. Dazu gehören neben Rauchen und starkem Übergewicht auch chronische Erkrankungen wie Diabetes. „Besonders tückisch sind Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte, da sie Gefäße jahrelang unbemerkt schädigen“, erläutert Krane. „Zusammen beschleunigen diese Einflüsse die Arterienverkalkung und erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt oder für einen Schlaganfall massiv. Deshalb ist es so wichtig, diese Risikofaktoren in Schach zu halten.“
Risikofaktoren enttarnen: „Wenn man gar nicht weiß, dass man ein Problem hat, kann man es auch nicht lösen“, sagt Krane. So haben nach Schätzungen der Deutschen Herzstiftung mehr als vier Millionen Bluthochdruck-Patienten keine Ahnung von ihrer Erkrankung. Von erhöhten Blutfettwerten sind auch viele Normalgewichtige betroffen. „Sie haben dann meistens eine familiäre Hypercholesterinämie, eine Erbkrankheit“, berichtet Krane.
Familien-Check machen: „Die erbliche Veranlagung ist ein erheblicher, aber immer noch oft unterschätzter Risikofaktor. Wenn Eltern oder Geschwister einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, dann sollte man Vorsorgeuntersuchungen besonders gewissenhaft wahrnehmen.“
Neue Vorsorge-Chancen nutzen: Eine Computertomografie des Herzens (Kardio-CT) wird inzwischen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Sie liefert Informationen darüber, ob sich Kalbablagerungen in den Herzkranzgefäßen befinden. Anhand dieses sogenannten Kalk-Scores lässt sich das Herzinfarkt-Risiko einschätzen. Auch Smartwatches können bei der Vorsorge helfen – das sind Uhren, die per Messsensoren und Apps mit dem Handy verbunden sind. Krane: „Sie können ein einfaches EKG schreiben und dadurch Vorhofflimmern feststellen. „Diese Herzrhythmusstörung ist ein bedeutender Schlaganfall-Risikofaktor.“
Regelmäßig sporteln und clever ernähren: „Lieber regelmäßig trainieren als selten zu viel trainieren. Wer lange nicht gesportelt hat, sollte sich vor dem Training ärztlich durchchecken lassen“, rät der Experte des Deutschen Herzzentrums. Auch gesunde Ernährung und ein paar Kilo weniger auf der Waage sind wichtige Erfolgsfaktoren gegen Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus.
Gefahr für Herz und Gefäße nicht ausblenden: Laut Deutschem Herzbericht werden in Deutschland jährlich rund 186.000 stationäre Klinikbehandlungen wegen eines Infarkts verzeichnet, während der plötzliche Herztod etwa 65.000 Todesfälle pro Jahr verursacht. Der akute Herzinfarkt führt zu etwa 43.839 direkten Todesfällen jährlich. „Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Todesursache Nummer eins – noch vor Krebs. Mit Tumorerkrankungen verbinden viele Menschen teilweise lange Qualen, die man nicht erleben möchte. Wir sollten aber nicht vergessen, dass auch kardiovaskuläre Erkrankungen wie Schlaganfälle eine lange Leidenszeit verursachen können“, sagt Krane. Die Zahl der Betroffenen werde weiter wachsen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass kardiovaskuläre Erkrankungen in unserer alternden Gesellschaft dramatisch zunehmen werden.“ Allein im Deutschen Herzzentrum werden jedes Jahr bereits 27.000 Patienten mit Herzleiden behandelt – Tendenz stark steigend.