Rätsel gelöst: Taubenkompass sitzt in der Leber

von Redaktion

Die Vögel orientieren sich am Magnetfeld mithilfe von angereicherten Eisenmolekülen

Tauben sind Meister der Orientierung. © Mauritius

Konstanz – Wie Tauben hunderte von Kilometern fliegen und dennoch den Weg nach Hause finden, fasziniert die Menschen seit Langem. Nun sagen Forscher, dass eine überraschende Antwort möglicherweise nicht im Gehirn oder in den Augen der Vögel, sondern in der Leber verborgen liegt. Eine im Fachjournal „Science“ veröffentlichte Studie legt nahe, dass spezielle Zellen in der Leber von Tauben das Erdmagnetfeld wahrnehmen können und den Vögeln so einen inneren Kompass geben.

Diese speziellen Zellen, sogenannte „Makrophagen“, sind Immunzellen, die alte rote Blutkörperchen abbauen. Dabei reichern sie Eisen an, was ihnen eventuell ermöglicht, auf Magnetfelder zu reagieren. Ohne diese intakten Zellen können Tauben nicht nach Hause navigieren. „Wir hatten überhaupt nicht erwartet, dass Immunzellen wie Sensoren für Magnetfelder wirken“, sagt Christian Kurt vom Uniklinikum Bonn, einer der Autoren der Studie. „Unsere Ergebnisse enthüllen einen bisher unbekannten Mechanismus der magnetischen Wahrnehmung bei Tieren.“ „Was bei der Navigation von Vögeln wie ein ‚Bauchgefühl‘ aussieht, könnte tatsächlich eine physikalische Grundlage haben“, fügt Martin Wikelski hinzu, Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und ebenfalls Mitautor der Veröffentlichung. Elektronenmikroskopische Untersuchungen zeigten, dass die eisenreichen Makrophagen in der Nähe von Nervenfasern sitzen, was auf einen Weg hindeutet, über den magnetische Informationen das Gehirn erreichen.

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