Vier-Minuten-Test rettet Claudia (50) das Leben

von Redaktion

Vorsorge-Technik enttarnt Gefahr kurz vor Marathonlauf – Schock und Glücksfall zugleich für Sportlerin

Starkes Team: Claudia M. mit ihrer Hündin Motte, die sie bei allen Läufen begleitet. © privat

München/Hamburg – Es war nur so ein Gefühl gewesen: Kurz vor ihrem ersten großen gemeinsamen Lauf beim Haspa Marathon Hamburg im April letzten Jahres beschlossen Claudia M. (50) und ihr Mann, ihre Herzgesundheit im Rahmen einer Cardisiographie testen zu lassen. „Ich hatte gelesen, dass die Firma Cardisio auf der Marathon-Messe bei der Anmeldung vertreten ist. Mein Mann und ich dachten, das sei eine gute Gelegenheit. Nur so zur Sicherheit.“ Die beiden sind schließlich Eltern von sechs Kindern – drei Mädchen (26, 23 und 20 Jahre) und drei Buben (5, 10 und 11 Jahre).

Die städtische Verwaltungsangestellte und frühere Triathletin läuft schon seit 22 Jahren und hat ihr Training in den letzten Jahren professionalisiert. Im Anmelde-Gedrängel auf der Messe verloren sich die beiden aus den Augen. „Ich war die Erste am Cardisio-Stand. Die Untersuchung verlief wie ein EKG, nur eben im Sitzen.“ Nach wenigen Minuten war sie schon fertig: „Ich hatte keine Zweifel, dass ich kerngesund bin.“

Doch es kam anders. Ganz anders: „Der Arzt sah mich sehr ernst an und sagte: An Ihrer Stelle würde ich nicht laufen.“ An die Minuten danach kann sich Claudia M. kaum noch erinnern: „Ich war am Boden zerstört.“ Ihre Cardisiographie hatte eine ernsthafte Herzrhythmusstörung aufgezeichnet – sogenannte Extrasystolen. Diese könnten bei großer körperlicher Belastung zu lebensgefährlichen Problemen und sogar zum Herzstillstand führen. Die stressige Anreise, zu wenig Schlaf, Vorfreude, Aufregung und auch ihr Wettkampfehrgeiz – all das hatte die Systolen noch zusätzlich nach oben getrieben: „Noch heute reagiert mein Herz darauf, wenn ich nicht genug schlafe.“ Den Marathon verfolgten die M.s als Zuschauer. Einziger Trost: „Mein Mann hatte perfekte Werte.“

In München ging Claudia zu einer Kardiologin: „Ich hatte solche Angst, dass ich nie wieder laufen darf.“ Doch die Ärztin gab Entwarnung. Nach einem 24-Stunden-EKG, einem Belastungs-EKG und einer Ultraschalluntersuchung verschrieb sie Claudia M. eine geringe Dosis Betablocker, die das Herzstolpern regulieren. „Damit geht es mir sehr gut. Bei dieser Diagnose besteht aber die Gefahr einer fortschreitenden Herzschwäche, die nicht mehr umkehrbar wäre. Darum gehe ich alle sechs Monate zur Kontrolle.“ Was sie Läufern raten würde? „Ich erzähle jedem und gerade auch den Jüngeren von der Cardisiographie. Dieser Check hat mich vor dem Schlimmsten bewahrt. “

Claudia M. hat kürzlich den Augsburger Frauenlauf (10 Kilometer) geschafft. Sie joggt weiterhin fast jeden Morgen acht bis zehn Kilometer durch die Wälder. Familienhündin Motte ist dabei immer an ihrer Seite. Zudem trägt sie einen Tracker. „Damit sieht mein Mann immer, wo ich gerade bin. Im Notfall müsste ich nur zweimal einen kleinen Knopf drücken. Das ist sehr beruhigend.“DOP

Artikel 2 von 5