Krebs: Mehr Zeit trotz Metastasen

von Redaktion

Der Krebs ist nicht mehr nachweisbar, freuen sich Urologe Prof. Christian Stief und Patient Anton T. (70). Auf den Befundbildern zu Beginn und während der Chemo sind der Tumor und die Metastasen orange-leuchtend markiert. © Martin Hangen

München – Die besten Heilungschancen haben Patienten im Frühstadium. Aber auch bei vielen fortgeschrittenen Tumoren ist die Prognose heute weit besser als vor ein paar Jahrzehnten. Dies liegt an der Vielfalt neuer Möglichkeiten, Krebszellen gezielt an Schwachstellen anzugreifen.

Individuelle Therapie statt starren Schemata

Die moderne Onkologie wandelt sich weg von starren Behandlungsschemata nach „Schema F“ hin zu personalisierten, zielgerichteten Therapien. Um maßgeschneiderte Behandlungspläne zu erstellen, werden Tumoren molekular analysiert. So haben die Forscher inzwischen viele Schwachstellen ausgemacht, und so Krebszellen quasi die Tarnung weggerissen. Und Medikamente entwickelt, die Tumorzellen im Körper finden und bei ihnen andocken. Diese Medikamente bekommen in einer Art Rucksack Chemotherapie-Medikamente oder radioaktive Zellen für eine Bestrahlung im Körper angeheftet – und bringen so die Wirkstoffe direkt an die Krebszellen (Mehr Infos siehe Rand).

Anton: „Eigentlich müsste ich tot sein.“

Als bei Anton T. der Prostatakrebs entdeckt wurde, hatte der längst gestreut. „Es war eine besonders aggressive Krebsform und es brannte quasi schon lichterloh: Im Befund vom 9. November vergangenen Jahres stand, er sei mikroazinär und wachse kribriform, was bedeutet, dass er kleindrüsig war und schnell und netzartig wuchs“, erzählt der 70-Jährige. Er bekam vor der Operation in der Urologie am LMU-Klinikum in Großhadern bei Prof. Christian Stief eine Chemotherapie. Die Chemotherapie schon vor einer Operation macht man deshalb, um zu sehen, ob sie tatsächlich wirkt und die Krebszellen vernichtet. Bei Anton T. schlug die Chemo an. „Die Tumorlast sank schnell, wir erkannten, dass die Medikamente also wirkten“, sagt Prof. Stief und erklärt: „Die Metastasen verschwanden, nicht aber der Ursprungstumor in der Prostata, das ist ganz typisch.“ Der Ursprungstumor musste also operativ entfernt werden. „Hier den besten Zeitpunkt für die OP zu finden, ist immer eine Herausforderung“, sagt Prof. Christian Stief und erklärt: „Bei einer Chemotherapie werden sich schnell teilende Zellen im Körper abgetötet. Das sind Krebszellen, aber auch andere Körperzellen.“ Dies schwächt den Patienten, und so macht man vor einer Operation eine kurze Pause bei der Chemotherapie. „Die Herausforderung ist, mit der OP so lange zu warten, bis sich der Patient bestmöglich erholt hat, aber eben nicht zu lang, damit der Krebs keine Chance hat, wieder zu wachsen und zu streuen“, sagt der Leiter der Urologie im LMU-Klinikum.

Am 24. Februar entfernte Prof. Stief den Tumor und das umgebende Gewebe. Inzwischen fühlt sich Anton T. wieder fit. „Ich habe auch die Chemotherapie bis auf Hitzewallungen sehr gut vertragen“, erinnert sich der Patient. Seine Genesung und die Tatsache, dass er inzwischen als krebsfrei gilt und sein PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen) von anfangs 90 auf inzwischen 0,03 gesunken ist, stimmen ihn sehr zuversichtlich. „Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe!“

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