Das Bild zeigt, wie Car-T-Zellen Krebs angreifen. Smarterpix
München – „Krebsmediziner denken heute nicht mehr in Tumorarten, sondern in genetischen Mutationen, die in vielen Tumoren vorkommen können“, sagt Prof. Hana Algül, Leiter des Krebszentrums CCC am TUM-Klinikum. Gemeinsam mit Prof. Volker Heinemann, Direktor des CCC am LMU-Klinikum und Präsident der Bayerischen Krebsgesellschaft, erklärt er wichtige Ansatzpunkte der neuen Krebsmedizin.
KRAS-Mutationen: Feste Krebszellen haben Treiber, die angeschaltet werden können und dann in einem dauerhaft aktiven „An“-Zustand ständig das Tumorwachstum durch unkontrollierte Zellteilung vorantreiben. Viele Jahrzehnte galten KRAS-Mutationen als unbehandelbar, erinnert sich Algül. Heute eröffnen sich vollständig neue Behandlungsoptionen durch Inhibitoren, die das mutierte KRAS-Gen wieder auf „Aus“ schalten. KRAS ist eines der häufigsten mutierten Krebsgene. Bei Lungenkrebs sind 30 Prozent betroffen, bei Darmkrebs 40 bis 45 Prozent.
Immuntherapien: Krebszellen lähmen oder täuschen die Immunabwehr, sodass die Krebszellen ungestört wachsen und streuen können. Immuntherapien setzen hier an, erklärt Algül: „Sie stören die Tarnung der Krebszellen oder aktivieren das Immunsystem, damit es den Krebs erkennt, angreift und im Idealfall auch vernichtet.“
CAR-T-Zell-Therapie: Dem Körper werden Immunzellen entnommen und gentechnisch verändert, also quasi scharf gemacht, damit sie die Krebszellen – derzeit im Regelfall Lymphome – vernichten. Dann werden sie wieder in den Körper gespritzt, wo sie sich vermehren und damit dauerhaft den Krebs eindämmen sollen.
„Off-Label-Use: „Um Leben zu retten, ist die Verfügbarkeit aller wirksamen Medikamente wichtig“, erklärt Heinemann. Off-Label-Use ist die Anwendung außerhalb der Zulassung. Heinemann erklärt, dass viele neuere Medikamente für bestimmte molekulare Veränderungen im Tumor entwickelt werden. „Daher sind sie häufig auch bei anderen Tumoren mit diesen molekularen Veränderungen wirksam, für die es aber noch keine Studien und keine Zulassung gibt.“ Dann kann der Arzt bei der Krankenkasse beantragen, das Medikament außerhalb der Zulassung, also Off-Label, zu geben.SVS