Erinnerung an jüdische Ärzte und Kinder

von Redaktion

Schülerinnen und Wissenschaftler arbeiten dunkle Zeiten der Medizingeschichte auf

Schwester Theodolinde © Michaela Hartmann (2)

Die Schülerinnen Ilona (13), Lea (13) und Eden (15) lasen aus Briefen von jugendlichen jüdischen Opfern vor. © S. Sasse

Gedenken: Prof. Johannes Ring, Charlotte Knobloch und Dr. Philip Rauh beim Symposium für jüdische Ärzte.

München – Die unvorstellbare Grausamkeit der Judenverfolgung war greifbar, als die Münchner Gymnasiastinnen Ilona, Lea und Eden des Helene Habermann Gymnasiums aus Briefen jugendlicher Opfer vorlasen – geschrieben in der „Heimanlage für Juden Berg am Laim“ kurz vor deren Abtransport in Vernichtungslager. „Es ist eine Ehre, einem Opfer eine Stimme geben zu dürfen“, sagt die 13-jährige Ilona. Eden (15) ergänzt: „Um zu verhindern, dass Geschichte sich wiederholt, muss man versuchen, die Muster zu erkennen: Der Antisemitismus hat sich verändert. Wir müssen die neuen Formen erkennen und benennen.“

Beim Symposium des Freundeskreises Alfred Wolff-Eisner am vergangenen Mittwoch im Hotel Vier-Jahreszeiten hatten der Gründer des Vereins, Prof. Johannes Ring, und seine Mitstreiter ein tief berührendes und aufwühlendes Programm zusammengestellt: Zu Wort kam Else Rosenfeld, die in ihren Briefen die Schrecknisse vor den Deportationen der Münchner Juden beschreibt. Und, wie sie und auch die Barmherzigen Schwestern in deren Kloster in Berg am Laim, wie Münchner Juden vor der Deportation untergebracht waren, den mehrheitlich Totgeweihten mit Menschlichkeit und Zusammenhalt begegneten. Nur wenige Münchner kennen diesen dunklen Teil in der Geschichte des Klosters, als es die Nazis für ihre Gräueltaten missbrauchten. „Wir Schwestern sehen täglich das Mahnmal neben unserem Altenheim“, betonte Oberin Schwester Theodolinde Mehltretter.

„Keine Berufsgruppe im Nationalsozialismus hatte sich so sehr dem Nationalsozialismus verschrieben wie die deutsche Ärzteschaft“, betonte Medizinhistoriker Dr. Philipp Rauh in seinem Vortrag. Kurz vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten lebten in München 9000 Jüdinnen und Juden, 200 von ihnen arbeiteten als Ärzte. 1938 wurde ihnen die Aprobation entzogen, nicht allen gelang die Flucht.SUSANNE SASSE

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