Prof. Lisa Adams sprach über KI. © Hegers/W. Sander Stiftung
Das ist der Prototyp eines Teilchenbeschleunigers in der Radio-Onkologie der TU München. An ihm forscht PD Dr. Kim Kraus an einer Krebstherapie mit Mikrostrahlen. © TU München
München – Mikrostrahlen, so fein wie Haare, die Krebszellen effektiv bekämpfen und das gesunde Gewebe schonen: Im Tierversuch klappt das bereits, sagt Privatdozentin Dr. Kim Kraus, die in der Radioonkologie am TUM Klinikum forscht. Die Strahlen werden, ähnlich wie der Wasserstrahl durch eine Brause an der Gießkanne, zerteilt und damit schonender.
Was einfach klingt, ist eine technologische Höchstleistung. Um Mikrostrahlen zu erzeugen, braucht es einen speziellen Teilchenbeschleuniger – deshalb flogen einige Wissenschaftler der TU München im vergangenen Jahr um die halbe Welt. „Im Synchrotron, dem größten Teilchenbeschleuniger Australiens, haben wir die Mikrostrahltherapie für die Behandlung von Lungentumoren untersucht.“
Der Aufwand lohnt sich, davon ist Kraus überzeugt. Denn mehr als 50 Prozent der Krebspatienten bekommen auch eine Strahlentherapie. „Unsere Forschungen – bislang aber noch nicht am Menschen – zeigen, dass die Mikrostrahlen nicht nur sehr effektiv die Tumorzellen bekämpfen können, sondern auch das Immunsystem anregen und dabei das gesunde Gewebe bestmöglich schonen“, sagt die Münchner Radioonkologin und Strahlentherapeutin. So könne man die Strahlendosis erhöhen und den Krebs umso besser bekämpfen. „Zudem reagieren Tumoren anders auf Bestrahlung als gesundes Gewebe, da ihre Reparaturmöglichkeiten und ihre Gefäßversorgung anders sind.“ Inzwischen kann auch in München an der TUM mit Mikrostrahlen geforscht werden: Mit einem Prototypen des Mikrostrahltherapiegeräts (Foto).
Gefördert wird das Forschungsprojekt von der Wilhelm Sander-Stiftung. Die Stiftung feierte nun ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Deutschen Museum. 2700 Projekte hat die Stiftung in den vergangenen fünf Jahrzehnten finanziell unterstützt, darunter auch den Virologen Harald zu Hausen. Der entdeckte in den 1970er-Jahren, dass sich Genitalwarzen ähnlich verbreiten wie Gebärmutterhalskrebs, und folgerte daraus, dass Viren Krebs auslösen können. Für diese Erkenntnis erhielt er 2008 den Nobelpreis für Medizin.
Immer mehr Wissen, immer genauere Bildgebung, immer mehr Daten: „Die Begleiterscheinung des medizinischen Fortschritts ist Komplexität“, sagt Prof. Lisa Adams. Ihre Mission: „Wir brauchen Systeme, die den medizinischen Fortschritt beherrschbar machen. Denn nicht die Maschine soll entscheiden, sondern wir Ärzte. Die Maschinen sollen dafür sorgen, dass wir nicht in Daten ertrinken, indem sie sie vorsortieren und auswerten.“ Gleich drei Forschungsprojekte der stellvertretenden Direktorin der Radiologie am TUM-Klinikum werden von der Wilhelm Sander-Stiftung gefördert. Sie arbeitet unter anderem an einem Chatbot für Prostatakrebs, der Fragen von Patienten beantwortet und Informationen bereitstellt. Sie arbeitet unter anderem an einem KI-Modell, das Bilddaten und Befundtexte intelligent verknüpft, um neue biologische Merkmale, sogenannte Biomarker, für die Krebsdiagnostik zu entdecken. Und an einem KI-Programm, das Behandlungsmöglichkeiten für Nierenkrebs individuell bestmöglich für den Einzelfall kombiniert.
Übrigens: In der Radiologie, die unheimlich viele Bilder und eine Flut an Daten produziert, gibt es bereits 1000 zugelassene Einsatzmodelle für KI. Auf Platz zwei steht die Kardiologie mit 200 zugelassenen KI-Modellen.