Vögel füttern auch im Sommer?

von Redaktion

Gut gemeint, aber oft gefährlich für die Jungen: Münchner LBV-Expertin gibt Tipps

Eine Amsel füttert ihre Jungen. © Jens Büttner/dpa

Futterstellen sind auch bei Spechten beliebt. © Mauritius

Isabel Rohde vom LBV-München gibt Tipps. © Schlaf

Auch Eichhörnchen nutzen Wasserstellen. © Imago

Eine ausgewachsene Meise stärkt sich an einer mit Körnern gefüllten Kokosnuss. Für Jungvögel ist fettiges Futter giftig. © Mauritius

München – Die Zahl der Gartenvögel sinkt von Jahr zu Jahr, das belegen die regelmäßigen Zählungen der Naturschutzverbände. Der Rückgang liegt neben dem schrumpfenden Lebensraum auch oft an Nahrungsmangel. Daher wollen viele Menschen die Vögel nicht mehr nur im Winter, sondern auch im Sommer füttern. Doch was auf den ersten Blick wie eine gute Tat wirkt, ist unter Experten nicht unumstritten.

Vor allem in der Brutzeit, also von Mai bis Juni, ist von der Fütterung der Tiere abzusehen, meint Isabel Rohde, die Vogelexpertin des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Denn da könne man als Laie mit dem Angebot sehr viele Fehler machen. Zum Beispiel kann fettreiches Futter die Fruchtbarkeit der Tiere beeinträchtigen, aber auch bei Jungtieren zu Problemen führen. „Ihre Mägen können dieses Futter noch nicht verwerten, weshalb viele junge Vögel, die so etwas fressen, sterben“, erklärt Marco Sommerfeld, Referent für Vogelschutz beim Nabu Hamburg. Er rät grundsätzlich vom Füttern im Sommer ab.

Von Ende Juni bis September sagt Rohde jedoch zum Füttern: „Man muss sich nur bewusst sein, dass man damit nicht die am meisten bedrohten Feldvögel schützt, sondern hauptsächlich die Gartenvögel unterstützt.“ Dagegen Vögel zu füttern, um sie auch im Garten zu beobachten, hat sie nichts einzuwenden. Geeignet und ungefährlich für die Jungen sind kleine fettarme Samen von Brennnessel, Klee oder Nachtkerze. Falls man also gerne zufüttern will, sollte man auf jeden Fall auf Biofutter zurückgreifen, sodass für den Futteranbau keine Feldvögel ihren Lebensraum verlieren.

Laut Erklärung des Nabu stellen die Futterstellen allerdings auch ein hohes Risiko für die Verbreitung von Krankheiten dar. „Ist ein Vogel infiziert und kommen an einer Futterstelle viele Vögel zusammen, können sich die Parasiten, Bakterien und damit die Krankheiten schnell weiterverbreiten.“ Diese Verbreitung an Futterstellen soll laut Nabu-Sprecher auch zum Grünfinken- und Blaumeisensterben beigetragen haben. Deshalb ist für LBV-Expertin Rohde klar: Wenn, dann ist es am besten, viele kleine Futterstellen zu installieren. Außerdem: Sobald man einen kranken oder sterbenden Vogel bei sich im Garten entdeckt und vor allem, wenn das in der Nähe einer Futterstelle ist, muss man das Füttern für mindestens vier Wochen pausieren.

Eine Vogeltränke ist allerdings unbestritten sowohl im Sommer als auch im Winter immer eine gute Idee. „Es braucht einfach nur eine flache Schale mit Wasser“, rät Rohde. Einzige Bedingung: Die Wasserstelle muss täglich gründlich gereinigt werden, um die Verbreitung von Krankheitserregern einzudämmen.

Was ebenfalls uneingeschränkt empfohlen wird, ist, was Isabel Rohde „naturnahes Gärtnern“ nennt. Das bedeutet, dass man heimische Sträucher anpflanzt und im Garten auch mal einen Haufen Äste liegen lässt, in dem sich Insekten tummeln und die Vögel Nahrung finden.LEONIE HANSEN

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