In vielen Firmen gibt es Mitarbeiter, die Alkohol am Arbeitsplatz trinken. © Smarterpix
Problematischer Konsum von Alkohol, Cannabis oder anderen Suchtmitteln ist auch in der Arbeitswelt ein relevantes Thema. Das zeigt eine aktuelle Befragung im Auftrag des Spitzenverbandes der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Jedem vierten Beschäftigten sind demnach aus den vergangenen zwei Jahren Fälle bekannt, in denen Kollegen durch einen problematischen Umgang mit Suchtmitteln aufgefallen sind.
Am häufigsten wird Alkohol als problematisches Suchtmittel genannt. 21 Prozent der Befragten berichten von entsprechendem Konsum in ihrem Arbeitsumfeld. Dahinter folgen Cannabis und Nikotin mit jeweils fünf Prozent. Jeweils vier Prozent nennen illegale Drogen oder den Missbrauch von Medikamenten. Besonders häufig berichten Beschäftigte aus den Bereichen Verkehr und Logistik (35 Prozent), Sozialwesen (32 Prozent), öffentliche Verwaltung (31 Prozent) und verarbeitendes Gewerbe (30 Prozent) von problematischem Konsum.
Obwohl klare Regelungen für den Umgang mit Suchtmittelproblemen wichtig sind, kennt nur etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten (54 Prozent) die entsprechenden Vorgaben ihres Unternehmens. Fast jede zweite Person (46 Prozent) weiß nicht, welche Regelungen am Arbeitsplatz gelten.
Immer mehr Unternehmen setzen sich aktiv mit dem Thema auseinander und schaffen dafür verbindliche Strukturen: 48 Prozent der Befragten geben an, dass in ihrem Unternehmen eine Betriebs- oder Dienstvereinbarung zum Umgang mit Suchtmitteln vorhanden ist.
Die Mehrheit der Erwerbstätigen (71 Prozent) traut sich zu, zu erkennen, wenn jemand bei der Arbeit unter Alkohol- oder Drogeneinfluss steht. Gleichzeitig würden nur 57 Prozent Kolleginnen oder Kollegen direkt ansprechen.
Positiv ist: 63 Prozent der Beschäftigten wissen, an wen sie sich im Unternehmen bei Fragen rund um das Thema Sucht wenden können. Externe Beratungsangebote kennen hingegen nur 45 Prozent.
„Um Suchtmittelkonsum am Arbeitsplatz vorzubeugen, bedarf es klarer Regelungen, die im Unternehmen verständlich kommuniziert werden sollten. Ebenso sollte die Arbeitsgestaltung darauf ausgerichtet sein, sowohl anhaltenden Stress als auch dauerhafte Unterforderung zu vermeiden, da beides den Konsum von Suchtmitteln begünstigen kann. Werden Sicherheit, Gesundheit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Suchtmitteln aktiv in der Unternehmenskultur verankert, sinkt das Risiko eines problematischen Konsums deutlich“, sagt Präventionsexpertin Dr. Marlen Cosmar.
Die Befragung zeigt, dass viele Beschäftigte beim Thema Sucht keine offene Gesprächskultur erleben. Lediglich 28 Prozent der Befragten beschreiben ihre Unternehmenskultur als transparent und geben an, dass offen über das Thema gesprochen werden könne. Fast die Hälfte (49 Prozent) empfindet den Umgang mit dem Thema als eher zurückhaltend. Weitere elf Prozent bezeichnen das Thema sogar als Tabu.