Enorme Fortschritte im Kampf gegen Krebs

von Redaktion

Filigrane Instrumente: Tumorgewebe wird schonend entfernt.

Der Operateur schaut in in eine Spezialbrille, steuert den Roboter mit einer Konsole.

Die schlangenartigen Roboterarme werden an künstlichen Blumen demonstriert.

Professor Johannes Bodner sitzt an der Steuerkonsole des neuen Roboters aus Chinas.

Innovationstreiber: Prof. Ayman Agha nutzt einen neuen OP-Roboter aus China. © Fotos: Martin Hangen

München – Bei Krebs-Operationen müssen Chirurgen einen schwierigen Spagat schaffen: einerseits den Tumor sicher entfernen, andererseits gesundes Gewebe schonen. Ein Schlüssel dazu ist die minimalinvasive OP-Technik. Sie kommt immer öfter zum Einsatz. So werden etwa bei Darmkrebs inzwischen mehr Patienten minimalinvasiv als offen operiert. „Kleinere Schnitte verletzen weniger Gewebe und Nerven als große Bauchschnitte. Der Blutverlust ist geringer, ebenso wie die Gefahr einer Wundinfektion. Die Patienten erholen sich in der Regel schneller“, weiß Professor Ayman Agha. Der international renommierte Chirurg mit palästinensischen Wurzeln kam vor neun Jahren von der Uni Regensburg nach München – mit einem klaren Auftrag: Bogenhausen, das Flaggschiff der städtischen Krankenhäuser, zu einem führenden Zentrum für minimalinvasive Eingriffe im Magen-Darm-Bereich bis zur Speiseröhre auszubauen.

Agha erkannte früh, dass OP-Roboter insbesondere bei Krebs ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Weil damit filigrane Instrumente in die Tiefe des Körpers transportiert werden können, ohne den ganzen Bauch aufschneiden zu müssen. Inzwischen haben Agha und sein Team über 1000 Eingriffe mit ihrem Assistenten Da Vinci durchgeführt. Der ist so etwas wie die Ikone der OP-Roboter. Jetzt bekommt der Da Vinci Unterstützung: vom OP-Roboter Shurui (siehe Kasten).

„Er erweitert unsere Behandlungsmöglichkeiten. Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass man gleich drei Instrumente und eine Mini-Kamera über nur einen Zugang einführen kann. Damit können wir besonders schonend operieren“, sagen Agha und sein Kollege Professor Johannes Bodner. Auch der Österreicher hat ein feines Händchen für Schlüssellochchirurgie, nur eine Etage höher. Er leitet die Thoraxchirurgie, entfernt neben Lungenkarzinomen auch Brustwandtumoren.

Doch neben der Chirurgie entwickeln sich unter anderem auch Onkologie und Strahlentherapie weiter. Um das Know-how zu bündeln, arbeiten die Spezialisten in großen Krebszentren heute eng zusammen. In Tumorboards wird gemeinsam die Behandlungsstrategie festgelegt. „So können wir das Beste für jeden einzelnen Patienten herausholen“, betonen die beiden Chefärzte Bodner und Agha. Einige konkrete Fortschritte:

Therapie-Kombi aus Medikamenten und OP: Experten sprechen von einer multimodalen Therapie. Ein Paradebeispiel ist Speiseröhrenkrebs. Zunächst wird die Tumorart genau analysiert. In manchen Fällen wird der Patient vorbehandelt, etwa mit einer Bestrahlung, Chemo- und Immuntherapie oder einer Kombi aus diesen drei Prozeduren. Das Ziel besteht darin, den Tumor zu verkleinern, um ihn schonender entfernen zu können. „Mitunter gelingt es heute, den Tumor um 80 bis 90 Prozent schrumpfen zu lassen. Manchmal verschwindet er sogar ganz“, so Prof. Agha. Oft erfolgt nach der OP erneut eine Kombi aus Chemo- und Immuntherapie. „Diese Behandlungsstrategie führt zu deutlich besseren Ergebnissen.“

Lungen-OP ohne Beatmungsschlauch: Davon profitieren Patienten mit vorgeschädigter Lunge. Sie bekommen lediglich ein Schlafmittel. „Weil nicht aktiv Luft in die Lunge geblasen wird, ist der Eingriff für das Organ schonender. Damit verringert sich auch die Gefahr, dass sich das Lungengewebe entzündet“, erklärt Bodner.

Neue schonende OP-Strategie: Jeder Lungenflügel hat verschiedene Lappen. „Wir haben gelernt, dass man bei vielen kleineren Tumoren nicht mehr den gesamten Lappen entfernen muss, sondern nur die befallenen Anteile, die in der Fachsprache Segmente heißen. Dadurch können wir mehr gesundes Lungengewebe erhalten, ohne dass sich die Langzeitprognose verschlechtert.“

Bessere Behandlungschancen für ältere Patienten: Durch diese Segment-Strategie können auch viele Patienten in höherem Alter und mit vorgeschädigter Lunge sicher operiert werden, für die ein Eingriff mit Entfernung des gesamten Lungenlappens zu belastend wäre.

Neue Medikamente: „Die Kombi aus moderner Chirurgie und neuen Medikamenten wie Immuntherapien hat nach Jahrzehnten der Stagnation dazu geführt, dass viele Patienten mit Lungenkrebs länger leben und mehr Lebensqualität haben“, so Bodner.

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