Kult-Ratgeber für 15 Millionen Leser

von Redaktion

Erfolgs-Duo: Geschäftsführer Andreas Arntzen (links) und Dr. Dennis Ballwieser. © WBV

Kult-Schauspieler: Heinz Rühmann auf dem Titel. © WBV

Glücksbringer: So erschien die Zeitschrift im Januar 1963. © WBV

Gedruckte Geschichte der Gesundheitsberichterstattung: Der Titel zum 70. Jubiläum der Apotheken Umschau. © Wort & Bild Verlag

Kleinod in Isarnähe: Der Konzertsaal des Wort & Bild Verlags mit Skulpturenpark. © Wort & Bild Verlag

München – „Mia san mia“ – diesen Spruch haben sogar die (meisten) Kapitäne auf den Krabbenkuttern schon mal gehört. Frei ins Hochdeutsche übersetzt bedeutet er unter anderem: München rühmt sich gerne für seine Rekorde. So spielt in der bayerischen Landeshauptstadt der deutsche Fußball-Rekordmeister, auf der Theresienwiese steigt das größte Volksfest der Welt und der Englische Garten gehört mit einer Fläche von 3,75 Quadratkilometern zu den größten innerstädtischen Parks auf dem Globus – vor dem Central Park in New York und dem Hyde Park in London. Was aber selbst viele Münchner nicht wissen: An der Isar wird auch Deutschlands meistgelesenes Gesundheitsmagazin gemacht. Und zwar von rund 100 klugen Köpfen, die Europas größte Gesundheitsredaktion bilden. „Wir erreichen allein mit der ‚Apotheken Umschau‘ jeden Monat mehr als 15 Millionen Leser, dazu kommen noch einige weitere Millionen mit weiteren Gesundheits-Ratgebern speziell für Kinder, Eltern und Senioren oder Diabetes-Patienten“, berichtet Andreas Arntzen stolz. Der gebürtige Hamburger hat vor zehn Jahren als Geschäftsführer bei dem Baierbrunner Familienunternehmen Wort & Bild Verlag angeheuert und die „Apotheken Umschau“ als Flaggschiff seitdem auch in für Verlage stürmischen Zeiten auf Erfolgskurs gehalten.

Das Grundprinzip: Etwa 80 Prozent der rund 16.500 Apotheken in Deutschland kaufen das Heft, das zweimal im Monat erscheint. Die Apotheken stellen es ihren Kunden kostenlos zur Verfügung und fördern so auch die Gesundheitskompetenz in Deutschland. Daneben gibt es auch Anzeigen – und das, obwohl nie ein Produktname eines Medikaments oder ein Pharmaunternehmen im redaktionellen Teil der „Apotheken Umschau“ genannt wird. „Dieses Prinzip der Unabhängigkeit gilt seit unserer Gründung vor 70 Jahren – genauso wie unser hoher journalistischer Qualitätsanspruch. Schließlich informieren wir unsere Leser über Gesundheitsthemen, daraus entsteht ein hohes Maß an Verantwortung“, betont Geschäftsführer Arntzen. Zum runden Geburtstag erhielten die Gesundheits-Macher heuer weitere wichtige Auszeichnungen: Die „Apotheken Umschau“ ist unter anderem „European Magazine of the Year 2026!“. Die Jury lobte die Redaktion um Chefredakteur Dr. Dennis Ballwieser – als Journalist übrigens selbst jüngst als bester Chefredakteur und bester Wissenschaftsredakteur Deutschlands preisgekrönt: „Mit Relevanz, Kreativität und Nutzorientierung setzt das Magazin Maßstäbe im Gesundheitsjournalismus.“

Seit jeher sorgt das Blatt auch für Überraschungen. Während in den 1960er-Jahren schon mal Brigitte Bardot oder Heinz Rühmann die Titelseite zierten, brachten Ballwieser und sein Redaktionsteam voriges Jahr beispielsweise ein eigenes 100-seitiges Heft ausschließlich zu „Über-Gewicht“ heraus – inklusive eines uneitlen Selbstversuchs des Chefredakteurs mit der Abnehmspritze. Ganz zeitgemäß konnte man den Beitrag auch digital abrufen, über einen QR-Code als Video-Reportage. Aber die meisten Leser erreicht die „Apotheken Umschau“ auch heute mit ihren gedruckten Ausgaben. Eine Tatsache, die der Altersstruktur ihrer Leser Rechnung trägt. Ein Großteil ist weit älter als 50 Jahre. Auch deshalb wird die „Apotheken Umschau“ augenzwinkernd als „Rentner-Bravo“ bezeichnet – übrigens kamen sowohl die „Apotheken Umschau“ als auch die Bravo 1956 auf den Markt. Die Erlöse haben die Baierbrunner Gesundheits-Macher längst auch in andere Geschäftsmodelle investiert, darunter mehrere Beteiligungen an Start-up-Unternehmen aus der Gesundheitsbranche.

Mit der ersten Ausgabe der „Apotheken Umschau in Wort und Bild“ begann die eindrucksvolle persönliche Erfolgsbilanz ihres Gründers Rolf Becker. Der gebürtige Brandenburger schuf an der Isar auch ein optisch imposantes Verlagsimperium, das heute aus 13 Gebäuden besteht. Inzwischen gehört es einem seiner beiden Söhne und zwei Enkelkindern. Ihre rund 300 Angestellten sind inzwischen etwas näher zusammengerückt, um ukrainische Flüchtlinge beherbergen zu können – ein humanitäres Projekt, das Geschäftsführer Arntzen wichtig ist.

Auch Verleger Becker, der 2014 im Alter von 93 Jahren starb, war sozial engagiert. Er war einer der ersten Spender für das Holocaust-Mahnmal und Mitbegründer der Stiftung Pinakothek der Moderne in München. Der Kunst gehörte sein Herz – neben seiner Frau Irene, mit der er fast 70 Jahre verheiratet war. Für sie ließ er am Verlagssitz in Baierbrunn einen eigenen Konzertsaal bauen. Die Fertigstellung haben die beiden nicht mehr erlebt, sie starb ein halbes Jahr vor ihm. Heute spielen in dem Saal mitunter die Münchner Symphoniker Aufnahmen ein. Über eine Terrasse gelangt man in eine Parkanlage, in der Becker von ihm gesammelte Skulpturen aufstellen ließ. Daneben stehen Bienenstöcke, die Isartaler Honig produzieren. Honig ist gesund. In der „Apotheken Umschau“ war dies natürlich schon nachzulesen. Man musste weder Imker noch Arzt sein, um den Bericht zu verstehen.

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