„Die Mücken schreien jetzt Hurra“

von Redaktion

Mückenlarven entwickeln sich im Wasser. © Pitopia

Warnt vor einer Mückenplage: Doreen Werner, Biologin vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. © Pleul/dpa

Ab und zu Regen und viel Sonne – das sind paradiesische Zustände für Mücken. Die Schwärme werden jetzt rasant wachsen. Davon profitiert auch die Tigermücke (links). © Mauritius (2)

Regensburg/Müncheberg – Bisher war der Sommer für Mücken eher enttäuschend: zu heiß und zu trocken. Doch das ändert sich jetzt: Die bevorstehenden warmen Sommertage und ab und zu Regen sind perfekt für Stechmücken in Deutschland. „Im Moment gestaltet es sich aus Sicht der Mücke super, weil Regen in Sicht ist. Feuchtes und warmes Wetter bedeutet optimale Bedingungen – die Mücke schreit Hurra“, sagte die Mückenexpertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg. Auch Dr. Silke Göttler von der Firma Biogents in Regensburg, die u. a. das Tigermücken-Monitoring in München betreibt, warnt vor einer möglichen Blutsauger-Plage: „Auch in Bayern sind die Bedingungen für Mücken jetzt ideal.“

Besonders für die Gemeine Hausmücke werden die kommenden Wochen zum Fest: In Regentonnen, Gießkannen und Pfützen finden sie genügend Brutstätten, bei Temperaturen um 30 Grad entwickelt sich die nächste Generation schon binnen sieben bis zehn Tagen. Je kürzer die Entwicklungszeit, desto mehr Generationen schwirren gleichzeitig los, um z. B. Menschen anzuzapfen. Die Gemeine Hausmücke beginnt Mitte Mai, Eipakete abzulegen, erklärt Doreen Werner: „Ende August ist der Höhepunkt der Populationsdichte, was wir an den verstärkten Anflügen merken.“

Vorläufig Entwarnung gibt Silke Göttler für das Auftreten der Überschwemmungsmücken, die z. B. vor zwei Jahren in Eching am Ammersee dafür gesorgt hatten, dass Biergärten leer blieben und sommerliche Partys lieber in Innenräumen gefeiert wurden: „Die Böden sind noch zu trocken, dafür hat es nicht genügend geregnet.“

Weltweit gibt es 3700, bei uns etwa 50 Stechmückenarten. Eine Einwanderin bereitet den Expertinnen besonders Sorgen: Die Tigermücke könne heuer in einigen Städten mit bekannten Vorkommen zum Problem werden – da muss teilweise z. B. in Fürth mit einer richtigen Plage gerechnet werden, warnt Göttler. Bei Temperaturen von 30 Grad braucht die Tigermücke nur fünf bis sieben Tage, bis die nächste Generation unterwegs ist. „Wenn man nichts dagegen tut, haben wir dann ziemlich schnell ein exponentielles Wachstum“, erklärt Silke Göttler. Für München erwartet sie keine Plage, aber doch, dass deutlich mehr Tigermücken als in früheren Jahren unterwegs sein werden. Der Höhepunkt sei in den Monaten August und September zu erwarten.

Im Gegensatz zu den Hausmücken sind Tigermücken in der Lage, schon kleinste Wasseransammlungen zu nutzen, um sich zu vermehren. Ihnen genügen mit Wasser gefüllte Blumentopf-Untersetzer, Vogeltränken oder Blumenvasen auf Friedhöfen. Auch Doreen Werner ist in Sorge, vor allem weil die Tigermücke tagaktiv und deutlich aggressiver ist als ihre heimischen Verwandten: „Das sind ganz kleine, fiese Stecher. Sie können Aufenthalte im Freien echt unangenehm machen.“ Zur Unterscheidung hat Silke Göttler folgenden Tipp: „Tigermücken sind schwarz-weiß gefärbt, also eine Art fliegendes Zebra.“ Charakteristisch sei die weiße Linie, die vom Kopf bis zum Rücken führt.

Die Tigermücke, die ursprünglich aus den Tropen stammt, kann Krankheitserreger wie Dengue- und Chikungunya-Viren übertragen. Bisher ist in Deutschland kein Fall bekannt, bei dem eine hier lebende Tigermücke einen solchen Erreger übertragen hat. Experten halten das aber nur für eine Frage der Zeit. Die Tigermücke kann Erreger nur übertragen, wenn sie sich selbst vorher an einem erkrankten Blutwirt infiziert. Bereits in Teilen Deutschlands verbreitet hat sich das durch heimische Stechmücken auf den Menschen übertragbare West-Nil-Virus. In Berlin ist es laut einer Charité-Studie inzwischen fest etabliert. Auch viele Pferde werden damit infiziert. Mittlerweile gibt es eine Impfung. Werner erklärt, der Prozess der Virusvermehrung in der Mücke sei ein temperaturabhängiger Vorgang und werde durch höhere Temperaturen begünstigt. „Es ist bei den aktuellen Witterungsbedingungen möglicherweise mit höheren Infektionen in diesem Jahr zu rechnen.“

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