Erfolgsmodell: Dr. Johannes Plath zeigt, wie eine künstliche Schulter aufgebaut ist. © Achim Schmidt
Effektive Schmerztherapie: Anästhesistin Dr. Anja Heuckeroth legt einen Katheter. © Klinik Oberammergau
Wie lange dauert die Prothesen-OP an der Schulter? Etwa 45 Minuten bis eine Stunde. Wenn Sehnengewebe verlagert werden muss, können es auch mal 90 Minuten werden. Sogenannte Simultan-Operationen wie an Hüfte oder Knie, bei der beide Gelenke während eines Eingriffs ersetzt werden, gibt es an der Schulter nicht. „Das wäre in der Rehaphase kaum praktikabel, weil man im Alltag keinen Arm richtig benutzen könnte“, sagt Schulter-Spezialist Dr. Johannes Plath.
Wann bekommen die Patienten heute noch eine klassische Schulterprothese? „Sie wird eingesetzt, wenn der Gelenkknorpel zerstört ist, aber die Sehnenplatte der Schulter – die sogenannte Rotatorenmanschette – noch intakt und stabil ist“, so Plath. Im gesunden Zustand sorgen die vier Muskeln der Rotatorenmanschette dafür, dass der Oberarm im Gelenk zentriert wird und man damit den Arm nach innen und außen drehen kann. In manchen Fällen haben Patienten mit starker Arthrose an der Schulter aber auch größere Schäden an den Sehnen. Dann bekommen sie meistens eine inverse Prothese (siehe Text links/rechts).
Wie viele Tage muss man in der Klinik bleiben? Etwa vier bis sieben Tage. „Anschließend gehen die einen Patienten direkt in die Rehabilitation im Nachbarhaus und profitieren hier von unserem speziellen Fasttrack-Konzept. In anderen Fällen führen wir eine verzögerte Rehabilitation erst nach vier Wochen durch. Was für den Patienten individuell die beste Lösung ist, bespricht der Operateur mit dem Patienten im Vorgespräch“, berichtet Plath.
Wann ist man nach der OP wieder alltagstauglich? Einfache Tätigkeiten wie Essen, Schreiben oder Zähneputzen sind mit der Hand des operierten Arms meist in der ersten Woche möglich. Zur Schonung ruht der operierte Arm meist fünf bis zehn Tage auf einem speziellen Schulterkissen. „Insgesamt dauert es etwa drei Monate, bis man sich gut an das neue Gelenk gewöhnt hat“, weiß Plath.
Wie gefährlich ist eine Schulter-Prothesen-OP für hochbetagte Patienten? Die Dämmerschlaf-Narkose ist schonender als eine klassische Vollnarkose. Der Patient muss nicht beatmet werden. „Zwar bekommen die Patienten auch ein beruhigendes Medikament, doch dieses belastet den Kreislauf nicht so stark wie im Zuge einer Allgemeinanästhesie“, sagt Anästhesistin Dr. Anja Heuckeroth. Deshalb sei es auch möglich, Patienten mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sehr sicher an der Schulter zu operieren. Auch sehr alte Patienten verkraften die OP meistens einwandfrei, können in der Regel schon nach einigen Stunden Beobachtungszeit auf die Normalstation verlegt werden.
Was müssen Patienten mit Blutverdünnern beachten? Sie werden rechtzeitig abgesetzt und regelmäßige Laborkontrollen vorgenommen. Nach dem Eingriff erhalten die Patienten in der Regel keine Heparinspritzen zur Thromboseprophylaxe mehr. „Stattdessen setzen wir Medikamente aus der Gruppe der neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) ein, beispielsweise Eliquis oder Xarelto“, berichtet Heukeroth.
Müssen sich Schulterpatienten auf Blutspenden einstellen? In der Regel nein. „Wir setzen ein Gerät ein, das während der OP verlorenes Blut sammelt. Es wird gewaschen und notfalls dem Patienten zurückgegeben. Dadurch ist kein Fremdblut nötig“, so Heuckeroth.
Kann eine Vollnarkose dement machen? „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen einer Vollnarkose und einer Alzheimer-Demenz“, betont die Anästhesistin. Allerdings könne ein Delir auftreten, so nennen Experten einen – in den allermeisten Fällen – vorübergehenden Verwirrtheitszustand. Spezialistin Heuckeroth: „Das Delir ist zweifelsohne eine ernst zu nehmende Komplikation. Das Risiko steigt mit dem Alter. Zur Entstehung eines Delirs kann die ungewohnte Umgebung im Krankenhaus beitragen, auch fehlende Uhren, Brillen oder künstliche Zähne können eine Rolle spielen. Zudem sind wichtige Bezugspersonen des Patienten nach der Operation nicht sofort präsent. Der Blutverlust spielt eine große Rolle. Je mehr Blut man verliert, desto höher ist das Delirrisiko. Auch das Auskühlen des Patienten kann zum Problem werden. Wir legen großen Wert darauf, all diese Risikofaktoren konsequent zu vermeiden.“ANDREAS BEEZ