Bauchschmerzen durch Snacks, Süßes und Fertiggerichte: Immer mehr jüngere Frauen erkranken an Darmkrebs.
Skepsis ist angebracht: Fertigprodukte wie Tiefkühlpizzen erhöhen das Krebsrisiko. © Fotos: Smarterpix (2), Michael Ruff (1)
Westerland – Immer mehr jüngere Menschen – insbesondere Frauen – erkranken an Darmkrebs. Ärzte beobachten diese Entwicklung seit Jahren mit großer Sorge. Denn viele der Betroffenen haben weder eine familiäre Vorbelastung noch bekannte genetische Risikofaktoren. Doch was steckt hinter diesem alarmierenden Trend? Es könnte an falscher Ernährung liegen. Darauf deutet eine Harvard-Studie hin.
„Die weltweite Häufigkeit von Darmtumoren, die vor dem 50. Lebensjahr diagnostiziert werden, hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen“, sagt Dr. Georgia Schilling, Chefärztin der onkologischen Rehabilitation in Westerland auf Sylt. Besonders betroffen sind hochentwickelte Industrienationen und jüngere Generationen.
Fast Food, Fertiggerichte, stark verarbeitete Snacks, süße Getränke oder industriell hergestellte Produkte gehören für viele Menschen zum Alltag. Genau diese hochverarbeiteten Lebensmittel standen im Mittelpunkt der Untersuchung. Dr. Georgia Schilling erklärt: „Sie enthalten häufig nur wenige bioaktive Inhaltsstoffe. (Anm. der Red.: Das sind Inhaltsstoffe, die die Gesundheit fördern.) Dies kann zu einem gestörten Mikrobiom im Darm und gesteigerten Entzündungsprozessen führen, was wiederum die Entstehung von Darmkrebs begünstigt.“
Als Darmmikrobiom (Darmflora) bezeichnet man die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm. Es gilt heute als einer der wichtigsten Faktoren für die Gesundheit. Gerät das empfindliche Gleichgewicht der Darmbakterien aus den Fugen, können chronische Entzündungen entstehen und genau diese werden seit Jahren mit der Krebsentstehung in Verbindung gebracht.
Jede dritte Kalorie aus Fertigprodukten
Für die Studie werteten Wissenschaftler Daten von knapp 30.000 Frauen aus. Die Teilnehmerinnen hatten über viele Jahre detaillierte Angaben zu ihren Ernährungsgewohnheiten gemacht und vor ihrem 50. Lebensjahr mindestens eine Darmspiegelung erhalten. Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher. Im Durchschnitt stammten rund 35 Prozent der täglichen Kalorien aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Frauen mit besonders hohem Konsum dieser Produkte entwickelten deutlich häufiger konventionelle Adenome. Dabei handelt es sich um Vorstufen von Darmkrebs, aus denen sich später bösartige Tumoren entwickeln können. Der Zusammenhang blieb bestehen, selbst nachdem Faktoren wie Übergewicht, Typ-2-Diabetes und andere Ernährungsgewohnheiten berücksichtigt worden waren.
Die Wissenschaftler unterschieden zwischen verschiedenen Vorstufen von Darmkrebs. Das erhöhte Risiko zeigte sich bei Adenomen – gutartigen Darmpolypen, die als häufigste Vorstufe von Darmkrebs gelten. Andere Vorstufen waren dagegen nicht betroffen. Die Autoren vermuten, dass konventionelle Adenome besonders empfindlich auf Entzündungsprozesse und Veränderungen des Darmmikrobioms reagieren. Andere Vorstufen scheinen dagegen stärker durch genetische Mechanismen beeinflusst zu werden.
„Die Studie verdeutlicht, wie wichtig es ist, bereits junge Menschen für die Gefahren hochverarbeiteter Lebensmittel zu sensibilisieren“, analysiert Schilling. Darmkrebs entsteht meist über viele Jahre. Die Grundlagen dafür werden oft schon in jungen Jahren gelegt. Genau deshalb könne eine gesunde Ernährung deutlich mehr sein als eine Frage der Figur oder des Wohlbefindens. „Eine gesunde Ernährung in jungen Jahren ist eine der effektivsten Maßnahmen, um die steigende Inzidenz von Darmkrebs in dieser Altersgruppe zu bekämpfen“, sagt Schilling.