LBV-Expertin: Annette von Scholley-Pfab.
Wirtsameisen halten die Raupen für ihre Brut. © Sturm/LBV
So sieht der Große Wiesenknopf aus. © Birgit Helbig/LBV
Schlürft Nektar: Schachbrettfalter. © Foto: BUND
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling verbringt seine Kinderstube in einem Ameisennest. Die Arbeiterinnen versorgen die Raupen, weil diese den Geruch der Brut nachahmen. © Tim Laussmann/dpa
München – Darin sind sich alle Eltern einig: Der Nachwuchs soll die beste Pflege bekommen. Für einen ganz besonderen Münchner Schmetterling heißt dies erstaunlicherweise, dass er die Pflege seiner Nachkommen von Ameisen erledigen lässt. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist der Kuckuck unter den Schmetterlingen. Sein besonderer Entwicklungszyklus bedeutet auch, dass die Falter untypisch für ihre Art die Hälfte des Lebens unter der Erde verbringen.
Noch etwas ist besonders: Der Bläuling kommt, anders als sein Name vermuten lässt, in einem Zimtbraun angeflogen. Lediglich die Flügel des Männchens schimmern an der Vorderseite in einem tiefen Blau. Es ist ein Schmetterling auf den zweiten Blick, doch der lohnt sich! In den nächsten Wochen flattern sie wieder herum und können auch in München beobachtet werden – das ist gar nicht so schwierig, denn der Schmetterling ist auf eine ganz besondere Wirtspflanze spezialisiert.
Naturschauspiel mit eigenen Augen sehen
„Wer mit offenen Augen durch Biotope wie das Schwarzhölzl, die Moosschwaige oder den Perlacher Forst spaziert, sollte nach dem Großen Wiesenknopf Ausschau halten“, empfiehlt Annette von Scholley-Pfab: „Mit etwas Glück entdeckt man auf den dunkelroten Blüten den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling.“
Die ehrenamtliche Schmetterlingsspezialistin beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz hat derzeit viel Freude daran, den gefährdeten Schmetterling des Jahres bei der Eiablage und die Entwicklung der Raupen zu beobachten: „Der weibliche Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling legt seine Eier nach der Befruchtung ausschließlich auf Blüten des Großen Wiesenknopfs ab. Die jungen Raupen futtern die Blütenköpfe von innen heraus auf und lassen sich nach einiger Zeit von der Pflanze fallen“, so Annette von Scholley-Pfab. „Der Clou dabei ist, dass die Raupen aufgrund eines Duftstoffes von den Roten Knotenameisen adoptiert werden: Sie tragen die Larven in ihren Bau und versorgen sie wie ihre eigene Brut.“ Im Gegenzug fressen die undankbaren Raupen die echten Ameisenlarven!
Die Roten Knotenameisen, und nur sie, adoptieren die Larven, weil diese den Geruch der Ameisen täuschend echt imitieren. Den Herbst und Winter verbringen die Raupen als „Kuckuckskinder“ im sicheren unterirdischen Ameisenbau und lassen sich von den Ameisen durchfüttern. Dort verpuppen sie sich im folgenden Sommer und schlüpfen als fertiger Schmetterling. „In diesem Moment wird’s gefährlich“, sagt die Schmetterlingsexpertin. „Die Falter duften nicht mehr wie Ameisenbrut, ihre Tarnung fliegt auf. Nun müssen sie den Bau schnellstmöglich verlassen, bevor sie angegriffen werden.“ Nach gelungener Flucht flattern die Falter nur kurze Zeit über die Wiesen, suchen einen Artgenossen, paaren sich und der Zyklus beginnt von Neuem.
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling gilt als gefährdet. Dass er in München alles findet, was er zum Leben braucht, ist auch dem Artenhilfsprogramm zu verdanken. Auf verschiedenen Biotopflächen werden die Voraussetzungen geschaffen, die das einzigartige Zusammenspiel von Falter, Pflanze und Ameisen ermöglichen. Es ist feucht, aber nicht zu feucht, die notwendige Artenvielfalt ist vorhanden und die Mahd wird auf die Entwicklung des Schmetterlings abgestimmt. Das kommt nicht nur dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling zugute, sondern auch vielen anderen Insekten und Wildtieren.SUS