Eichenschädling reist mit dem Zug

von Redaktion

Behörde bittet um Meldungen: Gefürchtete Wanze breitet sich rasant in Deutschland aus

Gefürchtet: Die Eichen-Netzwanzen saugen Eichenblätter aus. © Uli Deck/dpa (2)

Karlsruhe/München – Die Eiche ist mehr als ein Baum, sie ist ein Symbol für Stärke und Beständigkeit. Doch ein kleiner, saugender Einwanderer macht dem Nationalbaum der Deutschen zu schaffen. Vor vier Jahren erstmals in Deutschland nachgewiesen, vermehren sich die Eichen-Netzwanzen in den aktuellen Hitzewellen rasant. Der Direktor des Karlsruher Naturkundemuseums, Martin Husemann, erwartet, „dass sie sich schnell über Deutschland ausbreiten“. Die ohnehin schon durch die Trockenheit geschwächten Eichen würden durch den Wanzenbefall zusätzlich gestresst. „Was das für Auswirkungen hat, kann man noch nicht einschätzen.“ Er hält den Schädling, der aus Nordamerika stammt, für das „bedrohlichste invasive Gliederfüßertier in europäischen Eichen-Ökosystemen“.

Die Wanzen sind zwar schlechte Flieger, erobern aber mithilfe der Menschen neue Landstriche, wie die Verbreitung an Straßen und Bahnstrecken beweist. Die Ankunft der Wanzen in Bayern ist nur eine Frage der Zeit, die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft bittet, Funde an die Pflanzenschutzbehörden zu melden. In Bayern wachsen Eichen auf 165.000 Hektar oder auf 6,8 Prozent der Waldflächen. Berühmt sind die Eichenwälder im Spessart oder der Gerolfinger Eichenwald im Landkreis Eichstätt. Befallene Eichen sind an gelblichen, vertrockneten Blättern zu erkennen. Die Blätter fallen vorzeitig zu Boden. Die Bäume werden geschwächt und dadurch anfälliger für andere Schädlinge.

„Problematisch ist, dass man über Ausbreitung und Folgen hier noch relativ wenig weiß“, sagt der Museumsdirektor Martin Husemann. Weil Eichen-Netzwanzen recht unscheinbar seien, werde das Thema nicht so richtig wahrgenommen. In ihrer Heimat hätten die Tiere natürliche Gegenspieler, die hierzulande jedoch noch fehlten und die Ausbreitung nicht bremsten.

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