Bei einem Schlaganfall muss schnell reagiert werden, um langfristige Folgen zu vermeiden. © Smarterpix
Das Schlaganfallrisiko steigt bei Extremwetter bei älteren Menschen stark an, besonders bei Frauen © Smarterpix
München – Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) kosteten die hohen Temperaturen allein bis Ende Juni dieses Jahres bereits mehr als 5000 Menschenleben. Das sind mehr Hitzetote als in den beiden Sommern 2024 und 2025 zusammen. „Doch die sind nur die Spitze des Eisbergs, Extremwetter kann auch Krankheiten verschlechtern“, warnt Dr. Alexandra Schneider, die bei Helmholtz München die Forschungsgruppe Umweltrisiken leitet.
Extreme nächtliche Hitze steigert das Schlaganfallrisiko um sieben Prozent, ergab eine Studie von Helmholtz München gemeinsam mit der Universität Augsburg. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Frauen. Ein Grund dafür ist, dass Hitze das nicht willentlich steuerbare Nervensystem durcheinanderbringt: Dies erhöht Herzfrequenz und Blutdruck, was das Herz belastet. Das steigert auch die Gefahr von Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern und Herzinfarkt.
Wer wetterfühlig ist, sollte dies also unbedingt auch ernst nehmen, rät die Expertin und erklärt: „Der Körper reagiert auf das Wetter, um den Organismus anzupassen. Nur ein gesunder Organismus schafft das auch bei Extremwetter – je gesünder ein Körper ist, desto besser funktioniert auch die Thermoregulation.“ Vorerkrankungen oder das Alter erschweren diese Regulierung und es treten Befindlichkeitsstörungen oder Krankheiten auf. Übergewicht und Rauchen erhöhen das Risiko ebenfalls stark.
Bei Hitze versucht der Körper, sich abzukühlen. Kommt es durch Schwitzen zu Flüssigkeitsmangel, können die Elektrolyte in ein Ungleichgewicht geraten. Auch steigt die Herzfrequenz. Das erhöht das Risiko für Herzprobleme und Durchblutungsstörungen. Da das Blut durch Schwitzen dicker wird, begünstigt Hitze erhöhte Blutgerinnung.
Besonders Herzpatienten müssen bei Hitze aufpassen: Sie kann die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. „Diese können schneller wirken oder bei eingeschränkter Nierenfunktion überdosiert werden“, warnt die Expertin. Medikamentendosis und Trinkmenge sollten Herzpatienten vorab mit ihrem Arzt besprechen. „Gesunde Menschen können bei der Hitze dagegen bis zu fünf Liter Wasser trinken, wenn ihnen das guttut“, sagt Dr. Alexandra Schneider.
Auch das Immunsystem kann bei Extremwetter beeinträchtigt werden. So erhöht Kälte das Infektionsrisiko. Hitze dagegen begünstigt neue Infektionen durch verunreinigtes Wasser, keimbelastete Speisen oder Mücken. Auch die Psyche bleibt von Extremwetterlagen nicht unberührt. Extreme Hitze kann vor allem bei bereits Geschwächten Stress, Ängste und Depressionen verstärken.
Vorbeugend schützen Bewegung und eine gesunde Ernährung. Älteren Menschen rät die Expertin, die Hitze zu meiden und vormittags oder abends zu lüften und sich zu bewegen. Mit Wechselbädern oder Saunagängen kann man die Fähigkeit des Körpers, mit Wetterextremen besser zurechtzukommen, ein wenig trainieren.
Die immer intensiveren Hitzeperioden auch bei uns, die durch den Klimawandel bedingt sind, lassen auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Herzinfarkten ansteigen, ergab eine Studie. Sie zeigte, dass Herzinfarkte zwischen 1987 und 2000 vor allem durch Kälte ausgelöst wurden. Zwischen den Jahren 2001 und 2014 stieg dagegen das Risiko durch Hitze deutlich an. Besonders waren hier Menschen mit Diabetes oder hohen Blutfettwerten betroffen. Daher sollten extreme Temperaturen stärker als wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen berücksichtigt werden, vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen.
Da hochbetagte oder mehrfach erkrankte Menschen besonders von der Hitze betroffen sind, fordern Experten ein Umdenken beim Hitzeschutz. Altersmediziner Prof. Michael Denkinger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) fordert deshalb, auch schon bei der Planung von Pflegeheimen, Kliniken und Wohnraum für besseren Schutz vor Hitze zu sorgen. Denn bei älteren Menschen funktioniert die Abkühlung des Körpers durch Schwitzen nicht mehr so gut. Allein deshalb müssen sie selbst, aber auch die gesamte Gesellschaft, bei Hitze und Extremwetter besonders gut auf sich aufpassen.
Der FAST-Test
Der FAST-Test hilft, einen Schlaganfall sofort zu erkennen. Er prüft vier Dinge:
Face (Gesicht): Lächeln lassen. Hängt ein Mundwinkel herab?
Arms (Arme): Beide Arme nach vorne strecken. Sinkt ein Arm ab?
Speech (Sprache): Einen Satz nachsprechen lassen. Ist die Stimme verwaschen?
Time (Zeit): Tritt eines dieser Zeichen auf? Sofort den Notruf 112 wählen.