Niemand muss ständig nützlich sein

von Redaktion

Cover des Buchs der beiden Wiener Psychologinnen.

Das Klischee vom starrsinnigen alten Menschen hält sich hartnäckig. Langzeitstudien zeigen jedoch, dass viele Menschen mit den Jahren ausgeglichener und entspannter werden. Sie verfolgen häufig weniger, dafür passendere Ziele und verstehen Glück stärker als Verbundenheit, Ruhe und Zufriedenheit. „Altern führt meist nicht zu Verbitterung, sondern häufig zu mehr Gelassenheit und Zufriedenheit“, fasst Dr. Christina Ristl zusammen. Auch der Wert eines Menschen hat kein Verfallsdatum. Ältere Menschen unterstützen Familien, pflegen Angehörige, engagieren sich oder geben Wissen weiter. Trotzdem muss niemand ständig nützlich sein. „Der Wert eines Menschen darf nicht an Produktivität gemessen werden“, betont Prof. Jana Nikitin. Er bleibt weiter bestehen.

Eine weitere wichtige Erkenntnis der beiden Wiener Wissenschaftlerinnen aus ihrem neuen Buch: Selbst der Tod macht älteren Menschen häufig weniger Angst, als man vermuten könnte. Wer Wünsche für das Lebensende ausspricht und Entscheidungen nicht anderen überlässt, entlastet sich und seine Angehörigen. „Endlichkeit wird weniger bedrohlich, wenn sie einen Platz im Leben bekommt“, sagt Ristl.

Menschen hinterlassen Spuren: in ihren Familien, Beziehungen, ihrer Arbeit und den Erinnerungen anderer. „Der Tod nimmt uns die Zukunft, aber verleiht unserem Leben gleichzeitig Bedeutung“, erklärt Nikitin. Die Wahrheit übers Altern ist weder rosarot noch deprimierend. Manches wird schwieriger und nicht alles liegt in unserer Hand. Aber Entwicklung, Nähe, Lernen, Freude und Sinn bleiben bis zuletzt möglich.S. HÖPPNER

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