Eine Seniorin leidet unter Rückenschmerzen. © Perfect Wave
In unserer Zeitung beantwortet Dr. Matthias Schröder Fragen zur Volkskrankheit Bandscheibenvorfall.
Was hilft bei einem Bandscheibenvorfall? In den meisten Fällen wird ein Bandscheibenvorfall konservativ behandelt – das bedeutet konkret: Der Patient bekommt Schmerzmittel wie Voltaren, Ibuprofen oder Novalgin, mitunter werden auch muskelentspannende Mittel verordnet. Häufig werden auch entzündungshemmende Medikamente, im Wesentlichen Kortison, und lokale Betäubungsmittel direkt an den betroffenen Nerv gespritzt. Diese sogenannte Infiltration erfolgt unter Röntgenkontrolle. Diese Maßnahmen zur Schmerzlinderung soll den Patienten in die Lage versetzen, Physiotherapie und Krafttraining machen zu können, um die Rückenmuskulatur zu stärken. Dr. Schröder: „Bewegung ist wichtig, um die Selbstheilung anzukurbeln. Strikte Schonung macht die Beschwerden oft nur schlimmer.“ Wichtig: Wer Schmerzmittel schluckt, sollte auch ein Mittel für den Magenschutz wie Pantoprazol einnehmen.
Wie lange dauert eine Bandscheiben-OP? Insgesamt befindet sich der Patient etwa 45 Minuten in Narkose. Anschließend muss er für etwa zwei Nächte in der Klinik bleiben.
Wie lange ist man nach einer Bandscheiben-OP arbeitsunfähig? „Das hängt vom Job ab“, sagt Dr. Schröder, „in der Regel kann man von drei bis sechs Wochen ausgehen.“
Was muss man nach der OP beachten? Man sollte nicht schwer heben und vor allem Rotationsbewegungen vermeiden. „Nach einer Woche kann man schon einkaufen gehen, aber keine Taschen oder Getränkekästen mit einem Gewicht von mehr als zehn Kilo tragen“, so Schröder.
Ist eine Reha sinnvoll? Ja, vor allem, um die Muskulatur gezielt aufzubauen, aber nach Einschätzung von Wirbelsäulenspezialist Schröder erst nach etwa zwölf Wochen.
Wann darf man nach der OP wieder Sport treiben? Schwimmen oder leichtes Radfahren ist nach Abschluss der Wundheilung wieder möglich. Nach drei bis vier Wochen darf man wieder Joggen.
Wie hoch ist das Risiko, dass man im operierten Bereich erneut einen Bandscheibenvorfall erleidet? „An der Lendenwirbelsäule liegt das sogenannte Rezidivrisiko bei knapp unter fünf Prozent, an der Halswirbelsäule bei unter einem Prozent“, weiß Schröder.
Kann eine Bandscheiben-OP auch sinnvoll sein, wenn man keine neurologischen Ausfälle hat? „Ja, wenn sich die Beschwerden trotz einer intensiven konservativen Behandlung über Wochen und Monate nicht bessern“, analysiert Schröder. Allerdings empfiehlt er, sich im Regelfall auf eine reine Entlastung der Nervenwurzel zu beschränken. „Das Einsetzen von künstlichen Bandscheiben oder anderen Implantaten wie Federsystemen hat sich aus meiner Sicht nicht bewährt – unter der Voraussetzung, dass neben dem Bandscheibenvorfall keine weiteren Erkrankungen vorliegen.“
Wann ist man zu alt für eine Bandscheiben-OP? „Das kalendarische Alter spielt heutzutage keine Rolle mehr, weil die Narkoseverfahren sehr sicher sind und das reine Narkose-Risiko gegen null geht“, sagt Schröder. „Auch für hochbetagte Menschen kann ein solcher Eingriff sehr sinnvoll sein, weil er ihnen viel Lebensqualität zurückbringen und ihre Mobilität erhalten kann.“ANDREAS BEEZ