Darmkrebs durch zu viel Sport?

von Redaktion

Bauchschmerzen nach dem Sport: Nicht immer sind die Beschwerden harmlos. © Smarterpix

Extremsport wird immer beliebter: Hobbyathleten bei einem Marathon. Auch noch wesentlich längere Laufdistanzen kommen zunehmend in Mode. © Foto: imago

München – Das Thema ist sensibel. Seit Jahren raten Krebsmediziner gebetsmühlenartig zu regelmäßiger Bewegung. Sie hilft dabei, das Risiko einer Tumorerkrankung oder zumindest das Rückfallrisiko zu verringern. Doch jetzt zeigen neue Daten aus den USA: Zu viel Sport könnte alles andere als gesund sein. Wer es beim Ausdauertraining übertreibt, der riskiert möglicherweise Darmkrebs. So lassen sich jedenfalls Forschungsergebnisse interpretieren, die auf dem viel beachteten Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentiert wurden. In Wissenschaftlerkreisen werden die Studiendaten intensiv diskutiert.

Die Mediziner werteten die Gesundheitsdaten von Langstreckenläufern im Alter von 35 bis 50 Jahren aus, das Durchschnittsalter lag bei 42,5 Jahren. Bei 41 Prozent kristallisierten sich Darmpolypen heraus – Veränderungen in der Darmschleimhaut, die über Jahre zu Krebs entarten können. „Die Extremsportler hatten viel öfter Darmpolypen als Menschen, die nicht so exzessiv trainieren. Unter den Polypen fanden sich auch überraschend häufig fortgeschrittene Adenome, die als Vorstufen von Darmkrebs gelten“, erläutert Privatdozent Dr. Holger Seidl, Chef der Gastroenterologie im Münchner Isarklinikum. Ebenso auffällig: Etwa jeder dritte der untersuchten Marathonläufer berichtete von gelegentlichen Blutspuren im Stuhl nach intensiven Trainingseinheiten. Oft schenkten die zähen Sportler diesen Alarmsignalen allerdings keine größere Bedeutung und führten sie auf die zwischenzeitlich erhöhte Belastung zurück.

Eine mögliche Ursache für die hohe Polypenrate könnte in einer Mangeldurchblutung des Darms während der extremen körperlichen Belastung liegen – mit Schleimhautschäden als Folge. Der Hintergrund: Unter Extrembelastung verstärkt der Körper die Durchblutung der Muskeln. „Letztlich resultiert dies aus einem Reflex aus der Steinzeit, der kurzfristig alle Energie für eine schnelle Flucht vor Gefahren bereitstellt – und dafür die Versorgung anderer Organe zurückstellt. Allerdings war dieser Mechanismus nur für Minuten gedacht und nicht für Stunden wie beim Extremsport“, so Seidl.

Als Konsequenz aus den neuen US-Studienergebnissen regt der Münchner Chefarzt an, die Darmkrebsvorsorge bei Extremsportlern auszuweiten. „Ich würde diesen Patienten bereits im Alter von 40 bis 45 Jahren zu einer Darmspiegelung raten“, sagt Seidl. Das Problem dabei: In Deutschland werden die Kosten für eine Vorsorgekoloskopie erst ab 50 Jahren übernommen. Allerdings wird eine Darmspiegelung bei unklaren Beschwerden aus diagnostischen Gründen von den gesetzlichen Krankenversicherungen auch bereits in jüngeren Jahren bezahlt.

Allerdings ist es Krebsspezialist Seidl wichtig zu betonen: „Regelmäßige Bewegung bleibt einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegen Krebs und andere chronische Erkrankungen. Wer keinen Extremsport betreibt, der muss sich keine Sorgen über ein erhöhtes Darmkrebsrisiko machen.“

Artikel 2 von 7